Er ist der zweitmächtigste Politiker der Vereinigten Staaten: Marco Rubio, vormals Senator von Florida, Republikaner, Sohn eines Barkeepers und einer Putzfrau aus Kuba, verheiratet mit einer US-Kolumbianerin, perfekt zweisprachig, Staatssekretär und Sicherheitsberater in Personalunion, was letztmals Henry Kissinger in den 1970er Jahren geschafft hatte. Rubio ist der mächtigste «Hispanic» in der Geschichte der USA – und der Architekt des Feldzuges gegen das Maduro-Regime.
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Sein Zusammenspiel mit Donald Trump erinnert an das «Good Cop, Bad Cop»-Muster. Während Trump provoziert, polemisiert, beleidigt, droht, übertreibt, bleibt Rubio stets freundlich, fokussiert, messerscharf in der Argumentation, aber konziliant im Tonfall. Zu den Latinos, mit 15 Prozent die grösste Minorität unter den US-Wählern, spricht er gerne in ihrer Muttersprache. Er kennt sich aus in der lateinamerikanischen Politik wie nur wenige, kann ohne Übersetzer verhandeln. Und vielleicht das Wichtigste: Rubio wird südlich des Rio Grande nicht als arroganter «Gringo» wahrgenommen.
Marco Rubio hat seinen Venezuela-Plan in den letzten Tagen an mehreren Pressekonferenzen skizziert. Die Forderungen sind klar:
- Alle fremden Agenten (kubanische Milizionäre, russische, chinesische und iranische Emissäre, inklusive Hisbollah, kolumbianische Narco-Guerillas) müssen raus aus Venezuela.
- Alle politischen Häftlinge müssen befreit werden, Generalamnestie für Oppositionelle, Heimkehr von exilierten Dissidenten. Eine «Versöhnung» ist das erklärte Ziel.
- Als Erstes muss das Land stabilisiert werden, wirtschaftlich wie sozial. Das wird seine Zeit brauchen (Rubio: «Was über zwanzig Jahre systematisch zerstört wurde, kann nicht in wenigen Tagen repariert werden»). Das venezolanische Regime und insbesondere das Militär soll die Rückkehr zur Demokratie selber organisieren.
- Wer nach den Vorgaben der USA kooperiert, hat nichts zu befürchten; wer sich querstellt, den erwartet das Schicksal von Nicolás Maduro.
- Venezuela soll für westliche Investoren wieder geöffnet werden. Die Seeblockade wird aufrechterhalten, die USA übernehmen bis auf weiteres die Vermarktung aller Erdölvorräte zu Weltmarkpreisen, der Nettogewinn soll direkt der venezolanischen Bevölkerung zugutekommen. Dazu muss man wissen: Bereits heute kontrolliert der US-Gigant Chevron einen Viertel von Venezuelas Ölförderung.
Rubio steht in direktem Kontakt mit der noch von Maduro designierten Übergangspräsidentin Delcy Rodríguez, die sich offenbar kooperativ zeigt. Die grosse Frage ist, ob auch Diosdado Cabello kooperieren wird. Cabello gilt als der «starke Mann» Venezuelas und Spiritus Rector des Regimes. Er kontrolliert die berüchtigten chavistischen Schlägerbanden («Colectivos») und zumindest einen Teil der Armee, die offiziell Vladimir Padrino unterstellt ist. Auf Cabello und Padrino haben die USA Kopfgelder ausgesetzt, jedoch nicht auf Delcy Rodríguez, die den Geheimdienst kommandiert, ihr Bruder Jorge präsidiert das Parlament. Aus Caracas werden angebliche interne Machtkämpfe zwischen den Rodríguez-Geschwistern und Diosdado Cabello kolportiert.
Rubios Plan ist so dreist und verwegen wie die Verhaftungsaktion gegen Maduro. Schafft er damit eine friedliche Rückkehr zur Demokratie in Venezuela, ja vielleicht sogar ein Ende der Diktatur in Kuba, wird er zum Helden nicht nur in den USA, sondern auf dem ganzen Kontinent. Scheitert er, dürfte dies die Endstation seiner politischen Karriere sein. Gemäss Umfragen halten 35 Prozent der republikanischen Wähler Rubio zurzeit für einen valablen Nachfolger von Donald Trump.