Emmanuel Macron sei ein Narzisst, der die Realität verleugne und die französischen Institutionen gefährde. Zu diesem Urteil kommt Alain Minc, einst Berater von François Mitterrand und langjähriger Mentor Macrons. Im Gespräch mit Politico erklärte Minc: «Er hinterlässt ein Land in schlechterem Zustand, als er es übernommen hat. Das ist unverzeihlich.» Mehr noch: Er sei der «schlechteste» Präsident Frankreichs seit 1958, seit der Gründung der Fünften Repbulik.
STEPHANE MAHE / POOL / KEYSTONE
Minc, der Macron vor dessen Wahlsieg 2017 beriet, war einst einer seiner glühendsten Unterstützer. Heute wirft er dem Präsidenten vor, sich mit einer «unglaublich mittelmässigen Mannschaft» umgeben zu haben und aus persönlicher Hybris heraus politische Fehlentscheidungen zu treffen. So habe der überstürzte Aufruf zu Neuwahlen im vergangenen Jahr endgültig zum Bruch zwischen den beiden geführt.
Besonders hart fällt Mincs Kritik mit Blick auf die innenpolitische Lage aus: Macron, so Minc, sei unfähig, Koalitionen zu bilden, vernachlässige seine eigene politische Mitte und treibe damit die Zersplitterung der französischen Parteienlandschaft voran. «Er erkennt nicht, dass er selbst das Problem ist», so Minc weiter. Macron solle sich aus der Innenpolitik zurückziehen und sich auf internationale Aufgaben konzentrieren.
Die Konsequenzen seiner Amtsführung sieht Minc in einem möglichen Wahlsieg von Marine Le Pens Rassemblement National bei den nächsten Präsidentschaftswahlen 2027. Eine aktuelle Umfrage des Instituts Elabe bestätigt diese Sorge: Le Pen liegt mit 34 Prozent klar vor den moderaten Kandidaten Edouard Philippe (15,5 Prozent) und Gabriel Attal (12,5 Prozent).
Minc warnt vor einem Übergang Frankreichs von einer liberalen zu einer illiberalen Demokratie. Die Rückkehr von Donald Trump und die Probleme Polens unter Donald Tusk seien Beispiele dafür, dass der Weg zurück ein teurer sei: «Das Rückfahrticket ist nicht billig.»