Suchbegriff

Die Weltwoche bietet tägliche Analysen, exklusive Berichte und kritische Kommentare zu Politik, Wirtschaft und Kultur.

Konto Anmelden
Die Weltwoche

Macron ernennt Verteidigungsminister Lecornu zum Premierminister: Frankreichs unbeliebter Präsident zieht seinen letzten Trumpf

Frankreich hat einen neuen Regierungschef, aber keine neue Regierung. Vorerst bleiben die Minister des vom Parlament abgewählten François Bayrou im Amt – und das könnte noch ziemlich lange dauern.

80.000 Polizisten sind heute im ganzen Land im Einsatz, um das drohende Chaos zu verhindern. Angesagt sind Streiks, Sabotageakte, Strassensperren. Auch mit dem Boykott der Kreditkarten wird gegen Macron protestiert. Die Lust der Franzosen am Königsmord beflügelt ihre Fantasien und Gewaltbereitschaft. Der seit Jahren aufgestaute Volkszorn droht zu explodieren. Hunderttausende machen mit.

MIGUEL MEDINA / POOL / KEYSTONE
epa12307060 France's President Emmanuel Macron (R) and France's Minister of Armed Forces Sebastien Lecornu (C) look on during a ceremony marking the 81st anniversary of the liberation of Bormes-les-Mimosas during World War II, southeastern France, 17 August 2025
MIGUEL MEDINA / POOL / KEYSTONE

Emmanuel Macron, der die Ängste des Volks manipuliert, hat Angst vor ihm. Mit der Ernennung eines Premierministers konnte es ihm nicht schnell genug gehen: Er braucht einen Blitzableiter, einen Schutzschild. So funktioniert die monarchistische Wahldemokratie der Fünften Republik.

Um 12 Uhr will er ein Zeichen setzen: High Noon in Matignon. Am Sitz des Premierministers erfolgt die Stabsübergabe von Bayrou an Sébastien Lecornu, der sein Verteidigungsminister war. Die Inszenierung wird zumindest vorübergehend und kurzfristig vom drohenden Bürgerkrieg ablenken.

Eine Provokation, schreit die Opposition.

85 Prozent der Franzosen haben genug von Emmanuel Macron, er hat die letzten drei Wahlen hochkant verloren, die Abgeordneten stürzten seine Premierminister. Und was macht der Präsident: Er ernennt seinen engsten Vertrauten Sébastien Lecornu zum Regierungschef. Einen Mann aus dem Bunker. Einen in der Öffentlichkeit wenig bekannten Mitarbeiter der ersten Stunde, der seit 8 Jahren in jeder Regierung sitzt. Mehrmals war er Favorit für das Amt des Premierministers, immer wieder wurde er von Macron düpiert. Jetzt wird er für seine Nibelungentreue belohnt.

Der unbeliebte Präsident, der keine starken Figuren um sich duldet, hat sich gewissermassen auch noch zu seinem Premierminister ernannt. Die Linke hat sich mit ihrer revolutionären Rhetorik im Parlament selbst aus dem Spiel genommen. Der Anspruch der Sozialisten auf die Regierungsbildung wurde so unverschämt vorgebracht, dass er unmöglich erfüllt werden konnte. Die Volksfront zerbricht – und das ist der positivste Aspekt der Personalie.

Sébastien Lecornu ist sogar ein kleiner Hoffnungsträger. Lecornu kommt von halbrechts, er ist ein sozialer Gaullist. Und ganz anders gestrickt als Macron: Er ist bescheiden, diskret, eher medienscheu. Kein Narzisst. Kein Mann der grossen Worte. Aber gesprächsbereit. Man weiss, dass er sich auch schon mal heimlich mit Marine Le Pen zum Essen traf. Die Liberalen und die Republikaner haben ihm ihre Bereitschaft zur Zusammenarbeit signalisiert.

Im Gegensatz zu Macron, der nie Militärdienst leistete, hat Sébastien Lecornu als Freiwilliger in der Gendarmerie, die zur Armee gehört, gedient. Anders als Macron gilt er als Patriot. Er ist der Politiker, der in der Lage ist, die Brandmauer zu überbrücken – eine Aufgabe von historischer Tragweite.

Er ist Macrons letzte Chance. Der Monarch, der nicht abdanken will, spielt auf Zeit. Der Marschbefehl an seinen Geschäftsführer ist eine mission impossible: Eine neue Regierung wird erst gebildet, wenn Lecornu sich mit einer Mehrheit auf ein Budget geeinigt hat.

Diese Mehrheit kann er nur zwischen der Mitte und Rechtsaussen finden: mit einer Koalition von Macron bis Marine Le Pen. Das Eigentor der Sozialisten ist eine Steilvorlage. Lecornu muss jetzt die «rote Linien» überschreiten und die Brandmauer überwinden.

Sie wird dereinst so schnell fallen wie einst die Berliner Mauer. Aber ein Budget braucht Paris noch vor dem 31. Dezember.

Abonnement
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen

Ups! Wir konnten Ihr Formular nicht lokalisieren.

1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen

Ups! Wir konnten Ihr Formular nicht lokalisieren.

1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen

Ups! Wir konnten Ihr Formular nicht lokalisieren.

1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen

Ups! Wir konnten Ihr Formular nicht lokalisieren.

1. Start
2. Ihre Angaben
3. Abo prüfen
Startdatum: 01.04.2026
Mit der Bestellung akzeptieren Sie unsere AGBs.
Ihre Angaben
  • Dieses Feld dient zur Validierung und sollte nicht verändert werden.
  • Dieses Feld wird bei der Anzeige des Formulars ausgeblendet
    (Newsletter kann jederzeit wieder abbestellt werden)

Netiquette

Die Kommentare auf weltwoche.ch/weltwoche.de sollen den offenen Meinungsaustausch unter den Lesern ermöglichen. Es ist uns ein wichtiges Anliegen, dass in allen Kommentarspalten fair und sachlich debattiert wird.

Das Nutzen der Kommentarfunktion bedeutet ein Einverständnis mit unseren Richtlinien.

Scharfe, sachbezogene Kritik am Inhalt des Artikels, an Protagonisten des Zeitgeschehens oder an Beiträgen anderer Forumsteilnehmer ist erwünscht, solange sie höflich vorgetragen wird. Wählen Sie im Zweifelsfall den subtileren Ausdruck.

Unzulässig sind:

  • Antisemitismus / Rassismus
  • Aufrufe zur Gewalt / Billigung von Gewalt
  • Begriffe unter der Gürtellinie/Fäkalsprache
  • Beleidigung anderer Forumsteilnehmer / verächtliche Abänderungen von deren Namen
  • Vergleiche demokratischer Politiker/Institutionen/Personen mit dem Nationalsozialismus
  • Justiziable Unterstellungen/Unwahrheiten
  • Kommentare oder ganze Abschnitte nur in Grossbuchstaben
  • Kommentare, die nichts mit dem Thema des Artikels zu tun haben
  • Kommentarserien (zwei oder mehrere Kommentare hintereinander um die Zeichenbeschränkung zu umgehen)
  • Kommentare, die kommerzieller Natur sind
  • Kommentare mit vielen Sonderzeichen oder solche, die in Rechtschreibung und Interpunktion mangelhaft sind
  • Kommentare, die mehr als einen externen Link enthalten
  • Kommentare, die einen Link zu dubiosen Seiten enthalten
  • Kommentare, die nur einen Link enthalten ohne beschreibenden Kontext dazu
  • Kommentare, die nicht auf Deutsch sind. Die Forumssprache ist Deutsch.

Als Medium, das der freien Meinungsäusserung verpflichtet ist, handhabt die Weltwoche Verlags AG die Veröffentlichung von Kommentaren liberal. Die Prüfer sind bemüht, die Beurteilung mit Augenmass und gesundem Menschenverstand vorzunehmen.

Die Online-Redaktion behält sich vor, Kommentare nach eigenem Gutdünken und ohne Angabe von Gründen nicht freizugeben. Wir bitten Sie zu beachten, dass Kommentarprüfung keine exakte Wissenschaft ist und es auch zu Fehlentscheidungen kommen kann. Es besteht jedoch grundsätzlich kein Recht darauf, dass ein Kommentar veröffentlich wird. Über einzelne nicht-veröffentlichte Kommentare kann keine Korrespondenz geführt werden. Weiter behält sich die Redaktion das Recht vor, Kürzungen vorzunehmen.