Mit der Kanzlerwahl von Friedrich Merz ist die Machtfrage in der Union nur scheinbar geklärt. Im Hintergrund tobt ein Ringen um die Nummer zwei – mit Markus Söder, Hendrik Wüst und Jens Spahn als Hauptakteuren, berichtet die Bild-Zeitung.
Der bayerische Ministerpräsident Söder setzt auf medienwirksame Auftritte, zuletzt mit seiner Olympia-Initiative für München. Parallel dazu präsentiert sich NRW-Chef Wüst als moderner Verhandler, etwa durch eine Olympia-Allianz mit Manuela Schwesig. Beide wollen als «Herr der Ringe» Position für den Fall beziehen, dass Merz 2029 nicht mehr antritt.
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Doch der Wettstreit um die Nachfolge birgt Sprengstoff: In der CSU wird Wüst als zu Grünen-nah und machtpolitisch berechnend eingeschätzt. Söder wiederum, so heisst es, würde bei einem Machtverzicht von Merz auf einer Mitgliederbefragung bestehen – ein indirektes Misstrauensvotum gegen den CDU-Mann aus Düsseldorf.
Jens Spahn, Fraktionschef im Bundestag, gilt unterdessen als möglicher lachender Dritter. Zwar unterstützte er Merz offiziell, baut aber hinter den Kulissen weiter an seinem Netzwerk. Laut Bild sehen Unions-Kreise in ihm eine «Firewall» gegen allzu ambitionierte Landeschefs.
Eine aktuelle Umfrage bestätigt Söder als Favoriten der Unions-Anhänger: 45 Prozent sprechen sich für ihn als möglichen Nachfolger von Merz aus, Wüst liegt mit 20 Prozent deutlich zurück. Spahn kommt nur auf 6 Prozent Zustimmung.