London hat sich in den letzten Jahren zu einem globalen Hotspot für Handydiebstähle entwickelt – nun legt eine Untersuchung der New York Times die Gründe offen: ein internationales Netzwerk aus Dieben, Zwischenhändlern und Exporteuren, das gestohlene Mobiltelefone im grossen Stil nach Asien verschiebt.
Jacob Ammentorp Lund
Allein 2024 wurden laut Metropolitan Police rund 80.000 Handys in der britischen Hauptstadt gestohlen – das sind 70 Prozent aller Diebstähle in der Stadt. Die Täter, oft mit E-Bikes unterwegs und maskiert, greifen Passanten im Vorbeifahren an. Verhaftungen bleiben selten: Von März 2024 bis Februar 2025 wurden über 106.000 Handys als gestohlen gemeldet, doch nur 495 Personen wurden angeklagt oder erhielten eine Verwarnung.
Erst der Fund von knapp 1000 gestohlenen iPhones in einem Lagerhaus nahe Heathrow brachte den Durchbruch. Die Pakete, als «Batterien» deklariert, waren für Hongkong bestimmt. Die Polizei entdeckte, dass Grossbritannien als Drehscheibe für den Export hochwertiger, in China weiterverkäuflicher Smartphones dient – teils für bis zu 5000 Dollar pro Gerät. In China wird die internationale Sperrliste für gestohlene Geräte oft nicht angewendet, was den Handel lukrativ macht.
Die Ermittlungen führten zu Razzien in mehreren Londoner Handyshops und zur Sicherstellung von rund 2000 Telefonen sowie über 200.000 Pfund Bargeld. Auch Alufolie, offenbar zum Blockieren von Ortungssignalen, wurde in grossem Stil beschafft. Das Netzwerk operiere arbeitsteilig, so die Polizei: Strassendiebe liefern an lokale Zwischenhändler, die Geräte an Exporteure weiterreichen.
Der Hintergrund der Krise ist auch politisch: Jahrzehntelange Sparmassnahmen haben die britische Polizei geschwächt, so die New York Times.