Die Fraktionsvorsitzende der Linken, Heidi Reichinnek, sieht den Kampf gegen die AfD nicht allein im Parlament, sondern vor allem auf sozialpolitischem Terrain. In einem Interview mit der Sonntagsblick erklärte sie: «Ich will AfD-Wähler überzeugen.» Der Schlüssel dazu liege in einer besseren Sozialpolitik – insbesondere für jene, die sich wirtschaftlich abgehängt fühlten.
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Reichinnek betont, dass viele Menschen in prekären Lebensverhältnissen offen seien für rechtsextreme Erklärungsangebote. Die Linke wolle ihnen ein soziales Gegennarrativ bieten, das etwa bessere Löhne, bezahlbaren Wohnraum und eine ausfinanzierte Daseinsvorsorge in den Mittelpunkt stelle. «Der soziale Bereich bleibt komplett aussen vor», kritisiert sie mit Blick auf das Regierungsprogramm der neuen Koalition aus Union und SPD.
Trotz klarer Abgrenzung von der AfD – Reichinnek spricht von einer «rechtsextremen Organisation» – lehnt sie nicht den Dialog mit deren Wählerbasis ab. Vielmehr will sie mit Argumenten und Fakten um Vertrauen werben. Der Ansatz: harte Kritik an rechtsextremer Propaganda, gepaart mit dem Angebot konkreter sozialpolitischer Lösungen.
Mit Blick auf die Migrationsdebatte fordert Reichinnek ein pragmatisches Vorgehen: mehr Sozialarbeit, psychologische Hilfe für Geflüchtete, besser ausgestattete Polizeikräfte – aber auch der Aufbau eines nationalen Sicherheitsrats. Eine Übernahme von AfD-Positionen durch demokratische Parteien lehnt sie strikt ab: «Was nicht hilft, ist, wenn demokratische Parteien die talking points der AfD übernehmen und sie damit salonfähig machen.»