In den sozialen Netzwerken reichen Nutzer ein Video herum, das die Fraktionschefin der Linkspartei, Heidi Reichinnek, vor einem silbernen Audi A8 Diesel zeigt, dem sie gerade entstiegen war.
Das Kennzeichen in diesem Bildmaterial lässt auf eine tiefere Verbindung der Politikerin mit dem Oberklassenfahrzeug schliessen: B-HR 419. Bei HR handelt es sich um die Initialen der Fraktionsvorsitzenden, bei der Zahl um ihr etwas abgewandeltes Geburtsdatum, den 19. April.
BERND VON JUTRCZENKA / KEYSTONE
Auf die Presseanfrage der Weltwoche nach dem Kennzeichen antwortet die Partei ausweichend: Dazu sei schon alles gesagt. Nämlich, dass der Wagen vom Fraktionsvorstand geleast sei. Die Echtheit des personalisierten Nummernschildes wollte die Sprecherin nicht bestätigen, bestritt sie aber auch nicht.
Verteidiger Reichinneks führten sofort an, dass Berliner Spitzenpolitiker generell gehobene Fahrzeuge benutzen. Das trifft zu; allerdings führen die meisten von ihnen keine derart lautstarke Dauerkampagne gegen «Reiche» wie die Vertreter der Linkspartei – wobei «reich» für sie schon bei Bürgern beginnt, die eine vermietete Immobilie für ihre Alterssicherung besitzen.
Reichinnek erhält als Bundestagsabgeordnete monatlich 11.833,47 Euro plus einer steuerfreien Zulage von 5349,58 Euro. Auf eine sogenannte Funktionszulage verzichten die beiden Fraktionsführer nach Angaben ihrer Pressestelle. Aber zu den zusätzlichen Annehmlichkeiten gehört eben ein Fahrdienst mit einem Wagen, dessen Listenpreis oberhalb von 100.000 Euro liegt.
Die Vorsitzende der Linkspartei, Ines Schwerdtner, schickte via soziale Netzwerke 2025 ein Foto von sich in die Welt, das sie auf der Terrasse eines Hotels in Venedig deutlich oberhalb der Mittelklasse zeigte.
Reichinnek verbrachte ihr Arbeitsleben ausschliesslich im öffentlich finanzierten Bereich, Schwerdtner im linksradikalen Medienbetrieb. Beide gelangten über Politik und Mandat zu einem Lebensstil, der eher grossbürgerlichen Massstäben entspricht. Das empfinden sie offenkundig nicht als Widerspruch zu ihrer täglichen Agitation – denn das Geld stammt weder aus unternehmerischer Tätigkeit noch aus einem Erbe, also den beiden von der Partei als grundsätzlich schlecht und unmoralisch verdammten Quellen.
Luxus verachten Linke grundsätzlich nicht. Sondern nur diejenigen, die als Selbständige oder Firmeneigner die Steuerkasse füllen – und dafür die unvermeidlichen privaten Risiken eingehen.