Immer wieder wird behauptet, Bargeld werde bald überflüssig. Die junge Generation bezahle angeblich nur noch mit Kreditkarte, Twint oder anderen elektronischen Mitteln. Gleichzeitig heisst es, in der Schweiz wolle niemand das Bargeld abschaffen – die Volksinitiative «Bargeld ist Freiheit» sei daher unnötig.
© KEYSTONE / MICHAEL BUHOLZER
Tatsächlich zeigt die Schweizerische Nationalbank, gestützt auf Umfragen, dass Bargeld weiterhin beliebt ist. Derzeit plant sie keine Einschränkungen. Dennoch machen Banknoten und Münzen im Vergleich zu den übrigen liquiden Mitteln – insbesondere Sicht- und Termineinlagen sowie Sparguthaben (Geldmenge M2) – lediglich rund 6,5 Prozent aus. Der Banknotenbestand belief sich im November 2025 auf rund 72 Milliarden Franken. Pro Einwohner lag der Höchststand im Juni 2022 bei 10.500 Franken, im November 2025 bei rund 7900 Franken. Angesichts des hiesigen Lebensstandards ist dies nicht aussergewöhnlich.
Druck auf das Bargeld entsteht vor allem international. EU und OECD verschärfen unter dem Vorwand der Bekämpfung von Geldwäscherei und Terrorismusfinanzierung laufend die Limiten für Bartransaktionen und Grenzübertritte. In der EU sollen ab 2027 Barzahlungen über 10.000 Euro verboten sein. Bei Grenzübertritten müssen Barmittel über 10.000 Euro deklariert werden; teils gelten zusätzliche Nachweispflichten. Frankreich und Griechenland kennen bereits deutlich tiefere Obergrenzen. Solche Massnahmen kommen einer schrittweisen Einschränkung des Bargelds gleich.
Auch die Behauptung, bargeldloses Zahlen sei sicherer, greift zu kurz. Internetbetrug verursacht jährlich Milliardenschäden. Gleichzeitig führen neue Notenserien und die Abschaffung grosser Stückelungen dazu, gehortetes Bargeld in den Finanzkreislauf zurückzuführen. Damit wächst der indirekte Druck zum bargeldlosen Zahlungsverkehr – verbunden mit kostenpflichtigen Bankkonti und der Möglichkeit, Konsum- und Bewegungsprofile zu erstellen. Der Schutz der finanziellen Privatsphäre nimmt ab.
Die Initiative «Bargeld ist Freiheit», über die am 8. März 2026 abgestimmt wird, verlangt eine dauerhafte Sicherung einer ausreichenden Versorgung mit Noten und Münzen in der Bundesverfassung (Art. 99). Dies würde auch geldpolitische Grenzen markieren, etwa bei stark negativen Zinsen. Zudem soll ein allfälliger Ersatz des Schweizer Frankens nur mit Zustimmung von Volk und Ständen möglich sein.
Schliesslich ist Bargeld eine Frage der Krisenvorsorge. Cyberangriffe, Stromausfälle oder militärische Konflikte können digitale Zahlungssysteme lahmlegen. Länder wie Lettland haben Notfallpläne erarbeitet, Geldautomaten mit Generatoren ausgerüstet und Offline-Zahlungssysteme für zentrale Versorger entwickelt. Bargeld bleibt damit ein unverzichtbares Element wirtschaftlicher Resilienz.
Bargeld bedeutet mehr als ein Zahlungsmittel: Es steht für Selbstbestimmung, Privatsphäre und Stabilität in unsicheren Zeiten.