Die Zahlen von BMW für das dritte Quartal 2025 lesen sich wie ein Gegenentwurf zum üblichen Drama der deutschen Autoindustrie. Während sich anderswo das Management mit Transformationsfloskeln und Investorenbeschwichtigung über Wasser hält, liefern die Münchner einfach ab. Eine Vorsteuermarge von 5,9 Prozent nach neun Monaten – das klingt trocken, ist aber in dieser Branche ungefähr so sexy wie ein vollgeladener Akku an der Alpenstrasse. In Zeiten von Zöllen, Preiskämpfen und Elektroschmerz ist das eine sportliche Zeitrunde.
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Mercedes glänzt mit Margen, die wie immer gut klingen, aber beim genaueren Hinsehen doch eher aus der Designabteilung kommen. Volkswagen steht im eigenen Stau, gedrückt von seiner Nobeltochter Porsche und geplagt von zu viel Komplexität. Die operative Marge von rund 3,2 Prozent – das ist kein Wolfsrudel aus Wolfsburg, das ist ein müdes Hündchen.
International zeigt sich das gleiche Bild in Technicolor: Tesla liegt mit 5,8 Prozent knapp hinter BMW, doch Elon Musk scheint vor lauter Raketen, Robotern und Rechtsstreitigkeiten vergessen zu haben, dass seine Autopalette auch neue Modelle braucht. Ein Tesla wirkt inzwischen so frisch wie ein Handy von 2018. Und BYD, der chinesische Angstgegner, verkauft Autos im Akkord, aber verdient daran so wenig, dass man fast Mitleid bekommt. Volumen über Profit – das ist keine Strategie, das ist eine Verkaufsorgie mit Katergarantie.
Was also macht BMW richtig?
Erstens: früh angefangen. Die Bayern bauten Elektroautos, als andere noch Witze darüber machten. Heute lachen sie weiter – aber bei BMW. Zweitens: Effizienz. Weil viele Entwicklungsarbeiten längst erledigt sind, können die Münchner den Aufwand senken, ohne den Fortschritt auszubremsen. Drittens: Absatz. Fast neun Prozent mehr Auslieferungen im dritten Quartal – und das in einem Umfeld, in dem andere eher Inventur als Wachstum melden. Europa und Nordamerika laufen, China bleibt schwierig, aber lässt sich so eher ertragen. Viertens – und das ist fast schon Ironie der Globalisierung – hilft das Werk in South Carolina gegen die Zölle aus Washington.
Der Blick geht jetzt nach vorn – zur «Neuen Klasse». Eine Plattform, die nicht nur Autos tragen, sondern das ganze Unternehmen in eine neue Ära hieven soll: effizientere Batterien, eine Softwarearchitektur, die diesen Namen verdient, und ein Design, das Freude am Fahren mit Zukunft verbindet. Wenn das gelingt, dann wird BMWs Renditevorsprung nicht schrumpfen, sondern wachsen.
Kurz gesagt: Während die Konkurrenz noch überlegt, ob sie links oder rechts abbiegt, fädelt sich BMW wieder auf der Überholspur ein. In München rechnet sich Intelligenz – und das ist in dieser Branche mittlerweile das wichtigste Sonderausstattungsmerkmal überhaupt.