Spätestens seit den 1970er Jahren sind T-Shirts angesagte Träger zur Verbreitung politischer Botschaften. Das Che-Guevara-Shirt lässt grüssen. Immer wieder nutzen seitdem Bürgerrechtsbewegungen und oppositionelle Bündnisse das beliebte Kleidungsstück, um auf ihre Anliegen aufmerksam zu machen.
Seit Donald Trump seine Maga-Botschaft mit einer roten Baseballcab verbreitet, ist das Statement-Kleidungsstück nun auch in den oberen Etagen der Politik angekommen. Das ist kein Wunder. Denn in Zeiten von Smartphones und Social Media ist es so leicht, Aufmerksamkeit zu erzeugen und einfache Botschaften millionenfach zu verbreiten.
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Das dachte sich wohl auch Sergei Lawrow, als er sich anlässlich des Alaska-Gipfels in ein Shirt mit der Aufschrift CCCP zwängte – also den Initialen der ehemaligen Sowjetunion. Wer nun Lawrows Shirt für einen harmlosen Mode-Gag hält, der denkt vermutlich auch, Burkas hätten nichts mit Religion zu tun. Nein, Lawrow wollte der Welt etwas sagen.
Und die Botschaft lautet eindeutig nicht: Ich bin ein lustiger, ironischer Kerl, der sich auch mal gerne selbst auf die Schippe nimmt. Lawrows Botschaft war ernst gemeint: Ein ganz bewusstes Spiel mit den Ängsten der ehemaligen Satellitenstaaten der Sowjetunion.
Zugleich zeigt dieser Auftritt aber auch die Abgehobenheit der russischen Politelite. Man macht vermeintliche Witze und spielt grinsend mit Doppeldeutigkeiten, während junge Russen für die Idee der Teilrestituierung der alten UdSSR elend verrecken. Das ist zynisch und lässt tief blicken. Doch genau diese Geisteshaltung wird der russischen Führung früher oder später zum Verhängnis werden.