Sergei Lawrow ist seit 2004 Aussenminister von Russland und damit weltweit der Dienstälteste in diesem Amt. Zu den leisen Diplomaten gehört er nicht, wie auch seine Position zum Krieg im Iran wieder zeigt.
Im Nahen Osten sieht Lawrow das Ende der amerikanischen Vorherrschaft gekommen. Er geisselt die US-Politik gegenüber dem Iran als völkerrechtswidrig und gefährlich. Während Washington und Tel Aviv von einem «Regimewechsel» träumen, wertet der Aussenminister den Iran als legitimen Partner und ein wichtiges Mitglied der UN.
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Die Angriffe auf das Land wertet er als verzweifelte Versuche einer untergehenden Hegemonialmacht, Chaos zu stiften. Russland hingegen positioniert sich als kühler Vermittler, der gemeinsam mit den Brics-Staaten für eine «eurasische Sicherheitsarchitektur» wirbt, frei von Einmischung aus Übersee.
In seinen jüngsten Erklärungen zum Krieg vor der eigenen Haustür lässt Lawrow keinen Zweifel daran, dass der Kreml in der Ukraine nicht mehr auf einen Kompromiss mit Kiew setzt. Verhandlungen bezeichnet er als blosse «Deckung» für westliche Waffenlieferungen.
Sein Blick geht weit über den Donbass hinaus: Der russische Aussenminister spricht offen von «Neurussland» und betont, dass die «Befreiung» russischsprachiger Gebiete eine historische Notwendigkeit sei. Für ihn ist die Ukraine kein souveräner Staat, sondern ein «vom Westen geschaffenes Nazi-Regime», das als Rammbock gegen Moskau missbraucht werde.
Den Westen warnt er trocken: Wer Sicherheitsgarantien fordert, ohne russische Interessen zu respektieren, werde auf dem Schlachtfeld die Antwort erhalten.