Mitten in einer Debatte zur Polizeiarbeit in Lausanne hat der linke Gemeinderat Loris Socchi für Aufsehen gesorgt: Er erschien im Parlament mit einem T-Shirt, das den Slogan «ACAB» («All Cops Are Bastards») trug. Der Auftritt löste Proteste bei SVP und FDP aus. Beide Parteien forderten Konsequenzen und warfen Socchi institutionenfeindliches Verhalten vor.
Die Sitzung drehte sich um das polizeiliche Vorgehen bei einer propalästinensischen Demonstration vom 18. September, das im Gemeinderat unterschiedlich bewertet wurde. Bereits im Sommer war es zu Kritik an der Lausanner Polizei gekommen, nachdem rund fünfzig Polizisten laut Staatsanwaltschaft in privaten Chatgruppen problematische Inhalte ausgetauscht haben sollen.
In diesem Kontext sorgte die Kleidung des linken Gemeinderats für Kontroversen. Nach Socchis eigenen Angaben hat es sich um ein «Missgeschick» gehandelt. Er sei in Alltagskleidung erschienen, nicht um zu provozieren. Er unterscheide zwischen der Polizei als Institution, die er kritisiere, und den einzelnen Beamten, die er respektiere. Seine Partei «Ensemble à Gauche» stellte sich laut Tages-Anzeiger hinter ihn und verwies auf das Recht auf Meinungsäusserung.
Der Antrag auf Suspendierung wurde mit grosser Mehrheit abgelehnt: 22 Stimmen waren dafür, 38 dagegen. Auch SP und Grüne verurteilten das Shirt, sprachen sich aber gegen eine Suspendierung aus. SP-Stadtpräsident Grégoire Junod nannte das Verhalten «unangemessen», der Sicherheitsvorsteher Pierre-Antoine Hildbrand (FDP) sprach von einer «verabscheuungswürdigen Beleidigung».
Es ist nicht das erste Mal, dass Socchi mit provokanten Aktionen auffällt. Im Sommer war er nach einem politisch motivierten Diebstahl bei Ikea in die Schlagzeilen geraten.