Um 12.31 Uhr setzte am Montag im spanischen Stromnetz eine Kettenreaktion ein, die innerhalb weniger Minuten zu einem Blackout auf der ganzen iberischen Halbinsel führte. Um 12.38 Uhr wurde das gesamte iberische Netz vom europäischen getrennt, um eine Ausweitung des Blackouts auf den ganzen Kontinent zu verhindern.
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Es war der schlimmste Blackout in der Nachkriegsgeschichte Spaniens. Nach sieben Stunden hatten gerade mal 20 Prozent der Spanier wieder Strom, um Mitternacht 61,35 Prozent. Am Dienstag um 11:15, knapp 23 Stunden nach dem Blackout, vermeldete die Netzbetreiberin REE die vollständige Wiederherstellung der Versorgung. Der volkswirtschaftliche Schaden geht in die Milliarden.
Noch herrscht Unklarheit über die Ursache. Ein Cyberangriff gilt mittlerweile als unwahrscheinlich, im Fokus stehen mögliche Probleme bei einer Hochspannungsleitung zwischen Spanien und Portugal. Was aber bereits feststeht: Der fatalen Kettenreaktion gingen Spannungsschwankungen voraus. Und solche entstehen, wenn Angebot und Nachfrage nicht mehr übereinstimmen – weil weniger oder auch mehr Energie ins Netz eingespeist wird als gebraucht.
Tatsache ist auch: Spanien hat die Produktion von Wind- und Solarenergie massiv forciert; die oft schwer vorhersehbaren Launen der Natur führen zu extremen Schwankungen bei der Produktion und stellen die Netzbetreiber vor grosse Herausforderungen.
Am 16. April hatte die linke Regierung stolz verkündet, dass erstmals an einem Wochentag der ganze spanische Strombedarf zu 100 Prozent durch erneuerbare Energien gedeckt worden sei. Am 21. April die nächste Jubelmeldung: 78,6 Prozent des Bedarfs durch Solarstrom gedeckt – ein neuer Rekord.
Bei einer nüchternen Analyse entpuppen sich die Meldungen als krasse Verzerrung an der Grenze zur Propagandalüge. In Wahrheit dauerte der «100-Prozent-Erfolg» vom 16. April nur einige Minuten, in denen sich zufälligerweise starker Wind zu einer sonnigen Grosswetterlage gesellte. Und auch der Solarrekord vom 21. April dauerte bloss über die Mittagszeit. Genau hier liegt aber das Problem: Die Spindoktoren der Energiewende agitieren partout mit Durchschnitts- und Extremwerten – doch der Teufel bei der Stromproduktion liegt in der Kontinuität und Regulierung.
Über die Website von Electricity Maps lässt sich die Stromproduktion weltweit nach Ländern aufschlüsseln. Und hier sieht man, dass es in Spanien zwischen dem 25. und dem 28. April zu extremen Schwankungen bei der Windproduktion gekommen ist, welche zwischen 8 und 40 Prozent des Strombedarfs gedeckt hat. Zur Zeit des Blackouts deckte der Wind rund 10 Prozent des Bedarfs, die Sonne 60 Prozent. Die Schwankungen bei der Sonne sind generell etwas besser absehbar und richten sich vor allem nach Tages- und Jahreszeit. Im Sommer ist der Anfall von Solarenergie um ein Mehrfaches höher als im Winter.
Die Ausschläge wären noch viel grösser, wenn Solar- und Windanlagen bei einer Überproduktion nicht automatisch abgeriegelt würden. Letztes Jahr wurden so in Spanien 1,7 Terawattstunden an hochsubventioniertem Ökostrom vernichtet, weil ihn niemand brauchen konnte. Das entspricht dem Jahresbedarf von 600.000 Haushaltungen.
Doch das Problem ist damit noch nicht gelöst. Es gibt auch Phasen, in denen Wind und Sonne so gut wie nichts liefern. Gab Spanien 2020 noch 390 Millionen Euro für den Erhalt der Netzstabilität aus, waren es im letzten Jahr 2,5 Milliarden Euro. Alles auf Kosten der Konsumenten, denen weisgemacht wird, sie könnten damit das Weltklima retten.
Solar- und Windanlagen sind ökonomisch und ökologisch höchstens sinnvoll, wenn ein möglichst grosses Netz mit zuverlässigen Lieferanten die Launen der Witterung ausgleicht. Doch dazu sind neue Übertragungsleitungen nötig, die nicht nur teuer, sondern auch anfällig für Störungen sind.
Damit steigt wiederum ein gewisses Klumpenrisiko: Eine gröbere lokale Panne kann zu einer fatalen Kettenreaktion im gesamten Netz führen, wie das aktuelle Beispiel aus Spanien zeigt. Und: Wenn das Netz zusammengebrochen ist, braucht es konventionelle Kraftwerke dafür, es wieder hochzufahren. Die Wind- und Solaranlagen können erst zugeschaltet werden, wenn eine bestimmte Grundspannung vorhanden ist. Ein Hochspannungsnetz aus 100 Prozent Wind und Sonne ist allein schon deshalb unmöglich. Das Problem liegt nicht bei der Technologie, sondern bei den Gesetzen der Physik.