Der Iran hat laut einem Bericht des Wall Street Journal eine neue Militärstrategie aktiviert, die eine Ausweitung des Kriegs im Nahen Osten vorsieht und selbst nach dem Tod der Führung weiter funktionieren soll.
Demnach hat die iranische Führung die Strategie nach dem verheerenden Krieg mit Israel im Juni 2025 beschlossen. Ziel sei es gewesen, künftige Konflikte nicht mehr begrenzt zu führen, sondern rasch regional auszuweiten und wirtschaftlichen Schaden zu verursachen.
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Kern des Konzepts ist eine sogenannte Mosaik-Verteidigung. Sie erlaubt regionalen Kommandanten, eigenständig weiterzukämpfen, selbst wenn die oberste Führung ausgeschaltet wird. Die Revolutionsgarden sind dafür in 31 Kommandobereiche gegliedert – einen für Teheran und je einen für jede Provinz.
Auslöser der strategischen Neuausrichtung war die Niederlage im zwölftägigen Krieg mit Israel im vergangenen Jahr. Israel und die USA zerstörten damals grosse Teile der iranischen Luftverteidigung sowie zentrale Anlagen des Atomprogramms und töteten mehrere hochrangige Militärs und Nuklearwissenschaftler. In Teheran kam die Führung zum Schluss, dass ihre bisherigen begrenzten Vergeltungsschläge zu schwach gewesen seien.
Seither setzt der Iran auf eine Strategie der Eskalation. Raketen und Drohnen trafen in den ersten Tagen des aktuellen Konflikts Ziele in sämtlichen Golfstaaten. Angegriffen wurden unter anderem Energieanlagen, Häfen, US-Botschaften sowie Infrastruktur der globalen Wirtschaft. Allein die Vereinigten Arabischen Emirate wurden laut Bericht mit rund 1200 Geschossen attackiert.
Zugleich versucht Teheran, kritische Energie- und Handelsströme zu stören. Angriffe richteten sich etwa gegen Ölanlagen in Saudi-Arabien sowie gegen LNG-Infrastruktur in Katar. Auch Schiffe im Persischen Golf und in der Strasse von Hormus gerieten ins Visier.
Beobachter sehen darin einen Versuch, die Kosten eines Krieges für die gesamte Region zu erhöhen und damit politischen Druck auf Washington zu erzeugen.