Andrij Jermak, engster Vertrauter von Präsident Selenskyj, der das Präsidialamt der Ukraine führt und wichtige Verhandlungen leitet, hat seinen Rücktritt erklärt. Vorausgegangen war eine Razzia der nationalen Antikorruptionsbehörde Nabu in seinen Wohn- und Büroräumen. Präsident Wolodymyr Selenskyj bestätigte die Demission, wie Reuters und Bloomberg berichten.
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Der Fall reiht sich ein in eine Serie schwerwiegender Korruptionsvorwürfe gegen führende Vertraute des Präsidenten – laut Beobachtern ist es der grösste Skandal der bisherigen Amtszeit Selenskyjs. Im Zentrum steht ein mutmassliches Bestechungskartell rund um das staatliche Atomunternehmen Energoatom. Bereits vor wenigen Wochen hatte Nabu acht Verdächtige angeklagt, darunter Timur Minditsch, ein enger Freund des Präsidenten. Minditsch, der laut Ermittlern das Netzwerk leitete, setzte sich noch vor der Anklage ins Ausland ab und wurde mittlerweile auf eine internationale Fahndungsliste gesetzt.
Auch Jermak soll in das System verwickelt sein. In internen Ermittlungsakten wird er offenbar unter dem Decknamen «Ali Baba» geführt. Ihm wird unter anderem vorgeworfen, Nabu-Ermittler persönlich behindert und verfolgt zu haben. Ein Anwesen nahe Kiew, finanziert mit Geldern aus dem Energoatom-Skandal, sei für Jermak vorgesehen gewesen, wie ein Beamter dem Portal Kyiv Independent angab.