«Ach Europa», titelte Hans Magnus Enzensberger vor mehr als dreissig Jahren. Heute würde er noch herzzerreissender seufzen.
Denn der Kontinent, der sich einst den Globus unterwarf, spielt weltpolitisch keine Rolle mehr – auch wenn sich Europas Politiker noch so aufplustern.
Gerade trafen sie sich in London und arbeiteten zusammen mit Wolodymyr Selenskyj Alternativvorschläge aus, die sie Donald Trump und Wladimir Putin bei deren Treffen in Alaska vorlegen wollen.
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Merken sie nicht, wie lächerlich das ist? Seit Beginn des Ukraine-Krieges haben sie keinen eigenen Vorschlag gemacht. Sie segelten im Windschatten der säbelrasselnden Biden-Regierung. Nun, da sich der Wind gedreht hat, kommen sie nicht mehr herunter von dem hohen Baum, auf den sie ohne Not geklettert sind.
Wenn die Europäer schon auf dem eigenen Kontinent nichts mehr zu sagen haben, wie sollen sie dann anderswo ernst genommen werden? Im Nahen Osten hört niemand mehr auf sie. Da wirken sie wie ein kopfloser Hühnerhaufen.
Im Kaukasus, an Europas Peripherie, waren es die USA, die soeben ein Abkommen zwischen den Erzfeinden Armenien und Aserbaidschan vermittelt haben.
Anderswo, in China, Indien, Katar oder Brasilien, sieht man Europa höchstens als Touristenziel: Notre Dame, Neuschwanstein, Napoli.
Auch dort hat man registriert, wie Trump im Zollstreit der EU ihren Platz zugewiesen hat: am Katzentisch.
Europa büsst schon seit Jahren an Macht und Einfluss ein. Die Amerikaner gaben immer den Ton an. Neu ist, dass mit Trump erstmals ein US-Präsident dies brutal ausspricht: Europas Kaiser stolzieren in Unterwäsche einher. Dieses Bild wird auch der Rest der Welt nicht mehr aus dem Kopf kriegen.