Hollywoodstar Matt Damon, der soeben im Netflix-Hit «The Rip» zu sehen ist und der später im Jahr Odysseus, den ultimativen Helden der griechischen Mythologie, spielt, äusserte sich letzte Woche in einem Interview zur Cancel-Culture. «Ich wette, einige […] Leute hätten es vorgezogen, achtzehn Monate oder wie lange auch immer ins Gefängnis zu gehen und dann herauszukommen und zu sagen: […] Ich habe für meine Schuld bezahlt, wir sind fertig. Können wir damit aufhören?»
Damon warf eine interessante Frage auf: Was ist für einen Menschen schlimmer: eine absehbare Gefängnisstrafe oder für unbestimmte Zeit gecancelt zu werden?
Bei Amanda Knox traf der Schauspieler einen wunden Punkt. Knox sass vier Jahre lang unschuldig im Gefängnis. Sie ist eines der berühmtesten Justizopfer der letzten Jahre. Die Amerikanerin wurde fälschlicherweise verurteilt, 2007 als Austauschstudentin im italienischen Perugia ihre Mitbewohnerin umgebracht zu haben. 2011 kam sie aus dem Gefängnis, 2015 wurde sie freigesprochen.
Auf X kritisierte Knox die Aussage Damons: «Eine weitere Sache, die Matt Damon mit mir hätte besprechen können, bevor er sie in die Welt setzte», schrieb sie.
Der öffentliche Angriff hat eine Vorgeschichte: 2021 spielte Damon im Film «Stillwater» mit, dessen Inhalt von Knox’ Fall inspiriert war. Sie warf den Filmemachern und Damon damals Verantwortungslosigkeit vor und, dass sie sich an ihrer tragischen Geschichte bereichern würden.
Diesmal ist Knox’ Argument im Kern Folgendes: Wer einmal, wie sie, im Gefängnis sass, werde dieses Stigma nie mehr los. Damons Aussage sei leichtsinnig.