Suchbegriff

Die Weltwoche bietet tägliche Analysen, exklusive Berichte und kritische Kommentare zu Politik, Wirtschaft und Kultur.

Konto Anmelden
Die Weltwoche

Kirche im Kriegsmodus? Deutschlands Bischöfe fordern «Verteidigungsbereitschaft»

Ist es zu viel von Bischöfen verlangt, der politischen Propaganda zu entsagen? Die Bischöfe in Deutschland haben eine Erklärung abgegeben, die zumindest in Teilen auch von der Regierung oder dem Verteidigungsministerium hätte kommen können.

Die Männer Gottes sahen sich dazu berufen, sich in die aktuelle Debatte um die neue Wehrpflicht einzuschalten. Auf rund vier Seiten bedienen sie sich der Litanei, die die Öffentlichkeit bereits zu Genüge kennt. Da ist die Rede vom «völkerrechtswidrigen Angriffskrieg Russlands», von «sicherheitspolitischen und gesellschaftlichen Herausforderungen», der «Gewährleistung einer angemessenen Verteidigungs- und Abschreckungsfähigkeit» und einer «effektiven Aufwuchsfähigkeit», die «derzeit nicht gegeben» sei. Und dann beginnt auch schon ein bischöflicher Eiertanz, der zum Abbild einer Kirche wird, die der vorherrschenden Politik die Stange halten und zugleich den frommen Schein nicht gänzlich verlieren will.

ANDREAS ARNOLD / KEYSTONE
Kirche im Kriegsmodus? Deutschlands Bischöfe fordern «Verteidigungsbereitschaft»
ANDREAS ARNOLD / KEYSTONE

So sagen die Bischöfe, «das Recht auf Kriegsdienstverweigerung – gerade in einem möglichen Spannungs-, Bündnis- oder Verteidigungsfall – muss ungeschmälert erhalten werden», und sprechen sich zudem für einen «freiwilligen Wehrdienst» aus. Im Falle eines Falles, «wenn die erforderlichen Rekrutierungen nicht gewährleistet werden können», sind die Gottesfürchtigen aber auch mit der Einführung der Wehrpflicht einverstanden.

Freilich müsste dazu aber die «Wehrgerechtigkeit» im Auge behalten werden, und es bedürfte «klarer Kriterien und Kompensationen». Freiwilligkeit gehe, so führen die Bischöfe aus, vor Verpflichtung, und bei einer Pflicht, die einen schweren Eingriff in die Freiheitsrechte darstelle, sei «der Nachweis zu führen, dass durch diese Pflichtdienste eine substanzielle Bedrohung für das Gemeinwesen […] abgewehrt werden kann».

Die «Nachweise» aber dafür, dass längst eine Situation vorherrscht, die einen grundlegenden «Wandel» «der sicherheitspolitischen Lage für Deutschland, die EU und die Nato» gut begründet, scheinen für die Bischöfe wohl längst erbracht. Ein kritisches Hinterfragen etwa der westlichen Politik findet sich in der Erklärung nicht. Stattdessen, finden die frommen Männer, müsse eine «mögliche Wehrpflicht» auch «in angemessener Weise die Geschlechtergerechtigkeit berücksichtigen. Die Frage, ob die Wehrpflicht unter den heutigen gesellschaftlichen Bedingungen nur für Männer gelten sollte, wie es das Grundgesetz bisher vorsieht, bedarf dringend einer rechtlichen, ethischen und gesellschaftlichen Betrachtung». Mit anderen Worten: Mit «Frauen an die Waffen!» scheinen die Bischöfe kein Problem zu haben.

Der Eiertanz der Bischöfe – welch ein trauriges Schauspiel.

In der Offenbarung heisst es: «Ich kenne deine Werke; ich weiss, dass du weder kalt noch warm bist. Ich wünschte, du wärst kalt oder warm! Weil du aber weder warm noch kalt bist, sondern lau, will ich dich aus meinem Mund ausspucken.» Ob die Bischöfe diese Worte verstehen?

Abonnement
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen

Ups! Wir konnten Ihr Formular nicht lokalisieren.

1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen

Ups! Wir konnten Ihr Formular nicht lokalisieren.

1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen

Ups! Wir konnten Ihr Formular nicht lokalisieren.

1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen

Ups! Wir konnten Ihr Formular nicht lokalisieren.

1. Start
2. Ihre Angaben
3. Abo prüfen
Startdatum: 01.04.2026
Mit der Bestellung akzeptieren Sie unsere AGBs.
Ihre Angaben
  • Dieses Feld dient zur Validierung und sollte nicht verändert werden.
  • Dieses Feld wird bei der Anzeige des Formulars ausgeblendet
    (Newsletter kann jederzeit wieder abbestellt werden)

Netiquette

Die Kommentare auf weltwoche.ch/weltwoche.de sollen den offenen Meinungsaustausch unter den Lesern ermöglichen. Es ist uns ein wichtiges Anliegen, dass in allen Kommentarspalten fair und sachlich debattiert wird.

Das Nutzen der Kommentarfunktion bedeutet ein Einverständnis mit unseren Richtlinien.

Scharfe, sachbezogene Kritik am Inhalt des Artikels, an Protagonisten des Zeitgeschehens oder an Beiträgen anderer Forumsteilnehmer ist erwünscht, solange sie höflich vorgetragen wird. Wählen Sie im Zweifelsfall den subtileren Ausdruck.

Unzulässig sind:

  • Antisemitismus / Rassismus
  • Aufrufe zur Gewalt / Billigung von Gewalt
  • Begriffe unter der Gürtellinie/Fäkalsprache
  • Beleidigung anderer Forumsteilnehmer / verächtliche Abänderungen von deren Namen
  • Vergleiche demokratischer Politiker/Institutionen/Personen mit dem Nationalsozialismus
  • Justiziable Unterstellungen/Unwahrheiten
  • Kommentare oder ganze Abschnitte nur in Grossbuchstaben
  • Kommentare, die nichts mit dem Thema des Artikels zu tun haben
  • Kommentarserien (zwei oder mehrere Kommentare hintereinander um die Zeichenbeschränkung zu umgehen)
  • Kommentare, die kommerzieller Natur sind
  • Kommentare mit vielen Sonderzeichen oder solche, die in Rechtschreibung und Interpunktion mangelhaft sind
  • Kommentare, die mehr als einen externen Link enthalten
  • Kommentare, die einen Link zu dubiosen Seiten enthalten
  • Kommentare, die nur einen Link enthalten ohne beschreibenden Kontext dazu
  • Kommentare, die nicht auf Deutsch sind. Die Forumssprache ist Deutsch.

Als Medium, das der freien Meinungsäusserung verpflichtet ist, handhabt die Weltwoche Verlags AG die Veröffentlichung von Kommentaren liberal. Die Prüfer sind bemüht, die Beurteilung mit Augenmass und gesundem Menschenverstand vorzunehmen.

Die Online-Redaktion behält sich vor, Kommentare nach eigenem Gutdünken und ohne Angabe von Gründen nicht freizugeben. Wir bitten Sie zu beachten, dass Kommentarprüfung keine exakte Wissenschaft ist und es auch zu Fehlentscheidungen kommen kann. Es besteht jedoch grundsätzlich kein Recht darauf, dass ein Kommentar veröffentlich wird. Über einzelne nicht-veröffentlichte Kommentare kann keine Korrespondenz geführt werden. Weiter behält sich die Redaktion das Recht vor, Kürzungen vorzunehmen.