Ist es zu viel von Bischöfen verlangt, der politischen Propaganda zu entsagen? Die Bischöfe in Deutschland haben eine Erklärung abgegeben, die zumindest in Teilen auch von der Regierung oder dem Verteidigungsministerium hätte kommen können.
Die Männer Gottes sahen sich dazu berufen, sich in die aktuelle Debatte um die neue Wehrpflicht einzuschalten. Auf rund vier Seiten bedienen sie sich der Litanei, die die Öffentlichkeit bereits zu Genüge kennt. Da ist die Rede vom «völkerrechtswidrigen Angriffskrieg Russlands», von «sicherheitspolitischen und gesellschaftlichen Herausforderungen», der «Gewährleistung einer angemessenen Verteidigungs- und Abschreckungsfähigkeit» und einer «effektiven Aufwuchsfähigkeit», die «derzeit nicht gegeben» sei. Und dann beginnt auch schon ein bischöflicher Eiertanz, der zum Abbild einer Kirche wird, die der vorherrschenden Politik die Stange halten und zugleich den frommen Schein nicht gänzlich verlieren will.
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So sagen die Bischöfe, «das Recht auf Kriegsdienstverweigerung – gerade in einem möglichen Spannungs-, Bündnis- oder Verteidigungsfall – muss ungeschmälert erhalten werden», und sprechen sich zudem für einen «freiwilligen Wehrdienst» aus. Im Falle eines Falles, «wenn die erforderlichen Rekrutierungen nicht gewährleistet werden können», sind die Gottesfürchtigen aber auch mit der Einführung der Wehrpflicht einverstanden.
Freilich müsste dazu aber die «Wehrgerechtigkeit» im Auge behalten werden, und es bedürfte «klarer Kriterien und Kompensationen». Freiwilligkeit gehe, so führen die Bischöfe aus, vor Verpflichtung, und bei einer Pflicht, die einen schweren Eingriff in die Freiheitsrechte darstelle, sei «der Nachweis zu führen, dass durch diese Pflichtdienste eine substanzielle Bedrohung für das Gemeinwesen […] abgewehrt werden kann».
Die «Nachweise» aber dafür, dass längst eine Situation vorherrscht, die einen grundlegenden «Wandel» «der sicherheitspolitischen Lage für Deutschland, die EU und die Nato» gut begründet, scheinen für die Bischöfe wohl längst erbracht. Ein kritisches Hinterfragen etwa der westlichen Politik findet sich in der Erklärung nicht. Stattdessen, finden die frommen Männer, müsse eine «mögliche Wehrpflicht» auch «in angemessener Weise die Geschlechtergerechtigkeit berücksichtigen. Die Frage, ob die Wehrpflicht unter den heutigen gesellschaftlichen Bedingungen nur für Männer gelten sollte, wie es das Grundgesetz bisher vorsieht, bedarf dringend einer rechtlichen, ethischen und gesellschaftlichen Betrachtung». Mit anderen Worten: Mit «Frauen an die Waffen!» scheinen die Bischöfe kein Problem zu haben.
Der Eiertanz der Bischöfe – welch ein trauriges Schauspiel.
In der Offenbarung heisst es: «Ich kenne deine Werke; ich weiss, dass du weder kalt noch warm bist. Ich wünschte, du wärst kalt oder warm! Weil du aber weder warm noch kalt bist, sondern lau, will ich dich aus meinem Mund ausspucken.» Ob die Bischöfe diese Worte verstehen?