Suchbegriff

Die Weltwoche bietet tägliche Analysen, exklusive Berichte und kritische Kommentare zu Politik, Wirtschaft und Kultur.

Konto Anmelden
Die Weltwoche

KI-Debakel im ZDF: Mitschnitte einer internen Konferenz zeigen, wie führende Journalisten den manipulativen Beitrag verteidigen

Anhören ( 3 min ) 1.0× +
KI-Debakel im ZDF: Mitschnitte einer internen Konferenz zeigen, wie führende Journalisten den manipulativen Beitrag verteidigen
KI-Debakel im ZDF: Mitschnitte einer internen Konferenz zeigen, wie führende Journalisten den manipulativen Beitrag verteidigen
0:00 -0:00
1.0×
100%
Mehr ▾

Dieser O-Ton hat das Zeug, Fernsehgeschichte zu schreiben! Was sich in Jahren in immer neuen Debatten zum alten Frustthema über Einseitigkeit, Meinungsmache und ausufernde Kosten in folgenlosen Spiralen öffentlicher Erregung drehte, kann jetzt mit einer spektakulären Innenansicht einer ZDF-Mitarbeiterkonferenz im Detail besichtigt und hoffentlich aufgearbeitet werden.

MONIKA SKOLIMOWSKA / KEYSTONE
ZDF-Logo.
MONIKA SKOLIMOWSKA / KEYSTONE

Der Fall: Am 15. Februar hatte das «Heute-Journal» einen Beitrag über die Einsätze der US-Abschiebepolizei ICE gesendet, in dem ein KI-Video und ein vier Jahre altes, aus dem Kontext gerissenes Video gezeigt wurden, um das vermeintlich brutale Vorgehen von ICE gegen Kinder zu illustrieren. Erst zwei Tage später entschuldigte sich der Sender, kündigte die Abberufung der Studioleiterin in New York, Nicola Albrecht, an, von der der Beitrag stammte. Zuvor hatte sich der Sender in Widersprüche und Lügen verstrickt und für den Fehler «technische Gründe» geltend gemacht. Besondere Brisanz bekommt die Affäre, weil der Intendant des ZDF, Norbert Himmler, in weniger als einem Monat wiedergewählt werden will.

Was nun in spektakulären Leaks ans Licht der Öffentlichkeit kommt, dürfte den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in seinen Grundfesten erschüttern: Stümperei, Rechthaberei, hilflose Suche nach Ausflüchten, aber auch eine brutale Abrechnung von ZDF-Mitarbeitern mit ihrer Anstalt. Nius veröffentlicht exklusiv Videoaufnahmen und Tonmitschnitte aus der Betriebsversammlung des ZDF, zu der Chefredakteurin Bettina Schausten am vergangenen Montag geladen hatte, um Rede und Antwort im Skandal um ein KI-Video in einem Beitrag des «Heute-Journals» zu stehen. Vor den 1100 versammelten Mitarbeitern gesteht Schausten: Das KI-Video wurde wissentlich verwendet. US-Korrespondent Elmar Thevessen findet dennoch: Kein einziges Wort des Beitrags sei falsch gewesen. Er behauptet: Wir haben uns nichts vorzuwerfen und bilden die Realität ab. Doch einzelne Mitarbeiter äussern schwere Vorwürfe. Die Rede ist von einem «Relotius-Moment» und davon, dass die ZDF-Nachrichten sich zunehmend in «Weltbild-Bestätigungs-Sendungen» verwandelt hätten.

Gerade die Einlassung von Thevessen ist besonders interessant. Er erklärt: «Ich will nur eines sehr klar machen: Kein einziges Wort an den Beiträgen von Nicola war falsch.» Dann führt er aus, dass die Zahl der von ICE inhaftierten Kinder unter Trump deutlich höher liege als unter Obama. Derzeit würden Kinder «bei Operationen von ICE in Wohngebieten, in Restaurants, in Schulen auf offener Strasse eingesackt». Das Ergebnis dieser Politik sei «Angst unter den Menschen in diesen Städten. Genau das hat Nicola absolut richtig abgebildet. Und ich finde es schade, wenn im Grunde das Geraune von Nius und anderen übernommen wird bei uns, wenn wir uns doch tatsächlich in unserer Berichterstattung in dieser Sache wirklich nichts vorzuwerfen haben, sondern die Realität abbilden.»

Mit anderen Worten: Mit gefälschten und verfälschten Bildern habe man das vermeintlich Richtige gezeigt, so Thevessen, der offenbar keine Sekunde lang auf die Idee kommt, wie absurd es ist, ausgerechnet als öffentlicher Rundfunkt mit der vermeintlichen Lizenz zur Wahrheit die Realität nicht mit realen Szenen zu dokumentieren, sondern mit gefälschten. Anders gesagt: Im Dienste unserer Wahrheit sind alle Mittel erlaubt.

Eine Mitarbeiterin legt, das muss man durchaus zur Ehrenrettung des ZDF herausstellen, in aller Sachlichkeit den Finger in die Wunde und berichtet, wie man sich in der Konferenz über die Emotionalität der falschen Bilder gefreut und gegenseitig beglückwünscht habe. Offenbar kam niemand auf die Idee, wie absurd eine solche Weltsicht ist, die für die richtige Sache jedes Mittel erlaubt. Ein erschütterndes Dokument, das zeigt, wie lupenreine Propaganda mit der Selbstgewissheit der eigenen Mission gegen die Aussenwelt imprägniert wird.

Die ZDF-Leaks werden vermutlich erst nach und nach in ihrer ganzen Dimension in das Bewusstsein der Öffentlichkeit einsickern. Ob sie die Wiederwahl von ZDF-Intendant Norbert Himmler beeinflussen, wird man sehen. Wenn es mit rechten Dingen zuginge und man die richtigen Konsequenzen aus dieser ernüchternden Innenansicht des Senders zöge, müsste ein harter Schnitt und Neuanfang her. Ein Reset des ZDF zu den Urtugenden des Journalismus und eine tiefgreifende personelle Erneuerung. Dass so konsequent gehandelt würde, daran hat man im Laufe der Jahre allerdings den Glauben weitgehend verloren. Die Zwangsgebühren fliessen trotzdem und machen solche Fehlentwicklungen erst möglich.

Abonnement
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen

Ups! Wir konnten Ihr Formular nicht lokalisieren.

1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen

Ups! Wir konnten Ihr Formular nicht lokalisieren.

1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen

Ups! Wir konnten Ihr Formular nicht lokalisieren.

1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen

Ups! Wir konnten Ihr Formular nicht lokalisieren.

1. Start
2. Ihre Angaben
3. Abo prüfen
Startdatum: 01.04.2026
Mit der Bestellung akzeptieren Sie unsere AGBs.
Ihre Angaben
  • Dieses Feld dient zur Validierung und sollte nicht verändert werden.
  • Dieses Feld wird bei der Anzeige des Formulars ausgeblendet
    (Newsletter kann jederzeit wieder abbestellt werden)

Netiquette

Die Kommentare auf weltwoche.ch/weltwoche.de sollen den offenen Meinungsaustausch unter den Lesern ermöglichen. Es ist uns ein wichtiges Anliegen, dass in allen Kommentarspalten fair und sachlich debattiert wird.

Das Nutzen der Kommentarfunktion bedeutet ein Einverständnis mit unseren Richtlinien.

Scharfe, sachbezogene Kritik am Inhalt des Artikels, an Protagonisten des Zeitgeschehens oder an Beiträgen anderer Forumsteilnehmer ist erwünscht, solange sie höflich vorgetragen wird. Wählen Sie im Zweifelsfall den subtileren Ausdruck.

Unzulässig sind:

  • Antisemitismus / Rassismus
  • Aufrufe zur Gewalt / Billigung von Gewalt
  • Begriffe unter der Gürtellinie/Fäkalsprache
  • Beleidigung anderer Forumsteilnehmer / verächtliche Abänderungen von deren Namen
  • Vergleiche demokratischer Politiker/Institutionen/Personen mit dem Nationalsozialismus
  • Justiziable Unterstellungen/Unwahrheiten
  • Kommentare oder ganze Abschnitte nur in Grossbuchstaben
  • Kommentare, die nichts mit dem Thema des Artikels zu tun haben
  • Kommentarserien (zwei oder mehrere Kommentare hintereinander um die Zeichenbeschränkung zu umgehen)
  • Kommentare, die kommerzieller Natur sind
  • Kommentare mit vielen Sonderzeichen oder solche, die in Rechtschreibung und Interpunktion mangelhaft sind
  • Kommentare, die mehr als einen externen Link enthalten
  • Kommentare, die einen Link zu dubiosen Seiten enthalten
  • Kommentare, die nur einen Link enthalten ohne beschreibenden Kontext dazu
  • Kommentare, die nicht auf Deutsch sind. Die Forumssprache ist Deutsch.

Als Medium, das der freien Meinungsäusserung verpflichtet ist, handhabt die Weltwoche Verlags AG die Veröffentlichung von Kommentaren liberal. Die Prüfer sind bemüht, die Beurteilung mit Augenmass und gesundem Menschenverstand vorzunehmen.

Die Online-Redaktion behält sich vor, Kommentare nach eigenem Gutdünken und ohne Angabe von Gründen nicht freizugeben. Wir bitten Sie zu beachten, dass Kommentarprüfung keine exakte Wissenschaft ist und es auch zu Fehlentscheidungen kommen kann. Es besteht jedoch grundsätzlich kein Recht darauf, dass ein Kommentar veröffentlich wird. Über einzelne nicht-veröffentlichte Kommentare kann keine Korrespondenz geführt werden. Weiter behält sich die Redaktion das Recht vor, Kürzungen vorzunehmen.