Anders als der Auftritt von US-Präsident Donald Trump dürfte die Rede von Karin Keller-Sutter an der Uno-Generalversammlung in New York kaum in Erinnerung bleiben.
Die Bundespräsidentin streifte Allgemeinplätze des Multilateralismus («Uno zentral für die friedliche Koexistenz der Völker»), beschwor die Weltgemeinschaft («sind mitten in einer kritischen Phase»), entwickelte Perspektiven («braucht einen systematischen und tragfähigen Ansatz»). So weit, so souverän.
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Zwischendurch gab es sanfte Seitenhiebchen gegen Europa («autokratische Tendenzen») sowie gegen die USA («Freihandel auf Probe gestellt»). Natürlich kamen die völlige Blockade im UN-Sicherheitsrat oder die einseitigen Resolutionen gegen Israel nicht zur Sprache.
Auch die Rolle, die die Schweiz in diesen schwierigen Zeiten einnehmen soll, liess die Bundespräsidentin undefiniert. Sie erwähnte zwar den Uno-Standort Genf, der «einen einzigartigen Beitrag» für die Zukunft leisten könne. Das Wort Neutralität fiel aber nicht ein einzige Mal. Chance verpasst. Schade. Im Grossen und Ganzen war es eine blasse Rede der Bundespräsidentin – gottlob!, möchte man sagen.
Im Vorfeld des Auftritts in New York gab es in Bundesbern Bedenken, dass die Bundespräsidentin irgendetwas tun oder sagen würde, was die immer noch laufenden Zollverhandlungen mit den USA gefährden könnte.
Nach dem missratenen Telefongespräch von Keller-Sutter mit Trump Ende Juli hoffte man in der Heimat, dass sich die beiden in New York nicht mehr über den Weg laufen. Nur nicht negativ auffallen: Keller-Sutter hat die Mission Tauchstation erfüllt.