Anständige Menschen sollten keine Spitzenpolitik machen. Diese schmerzliche Erfahrung macht gerade der britische Premierminister Keir Starmer.
Der europhile Labour-Mann mag einem politisch passen oder nicht, grundehrlich ist er jedenfalls. So neigt Starmer dazu, zu glauben, was ihm die Leute sagen. Wenn ihm etwa sein Parteigenosse Lord Mandelson versichert, er habe keine engen Kontakte zum Sexualstraftäter Jeffrey Epstein gepflegt, wird das schon seine Richtigkeit haben.
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Diese Naivität macht Starmer zur idealen Zielscheibe seiner Opponenten wie der Labour-Linken. Sie lassen keine Gelegenheit aus, ihren Parteichef ins Leere laufen zu lassen. Sie stellen so lange extreme Forderungen, bis Starmer einbricht und ihnen entgegenkommt: Etwa bei Steuerbelastungen oder teuren Sozialausgaben.
Dieser Wankelmut trug ihm den Spitznamen «Captain U turn» ein. Was jetzt kommen wird, ist deshalb absehbar. Starmer und seine Crew werden den Epstein-Skandal überstehen, sofern nicht noch Gravierenderes ans Tageslicht kommt.
Doch Starmer wird bei nächster Gelegenheit wieder vor der Parteilinken einknicken. Dann folgt ein Misstrauensvotum in der Unterhausfraktion, und sein Widersacher Andrew Burnham oder ein anderer linker Exponent wird sein Nachfolger. Gar nicht so schlecht, werden manche denken.
Denn je weiter Labour ins Abseits driftet, desto grösser die Chancen für Nigel Farages Bewegung Reform UK bei der nächsten Wahl 2029.