Die Labour-Linke hat seit Monaten ein Lieblingsthema – der angebliche Genozid in Gaza. Dahinter steckt nicht nur die grosse parteiinterne Fraktion mit muslimischem Hintergrund.
Alle, die sich als linke Opposition zu Premierminister Keir Starmer verstehen, missbrauchen den Krieg in Gaza, seine Autorität als Parteichef zu untergraben.
Denn Starmer ist in ihren Augen Partei; er ist mit einer Jüdin verheiratet. Seine Kinder wurden in der Tradition des jüdischen Glaubens erzogen.
TOBY MELVILLE
Weniger wegen dieses Hintergrunds allerdings und mehr aus politischer Einsicht hat Starmer bisher allen Druckversuchen standgehalten, gegen Israel Stellung zu beziehen. Doch jetzt ist er eingeknickt und droht mit der Anerkennung eines palästinensischen Staates. Damit beweist Starmer wieder einmal, wie sehr er sich von seiner Parteilinken umtreiben lässt.
Vor allem aber zeugt der Schritt von Geschichtsvergessenheit: Vor nicht allzu langer Zeit empörte sich Grossbritannien zu Recht, dass sich ein Nahoststaat in den nordirischen Konflikt einmischte. Damals gar mit Waffenlieferungen, die der libysche Diktator Gaddafi den IRA-Terroristen zukommen liess.
Das Vereinigte Königreich war Israel dankbar für die geheimdienstliche Unterstützung gegen Gaddafi. Offenkundig gewichtet Starmer nun die kurzfristige Opportunität höher als diese Hilfe in der Not.