Wolodymyr Selenskyj hat dem langjährigen Bürgermeister der ukrainischen Hafenstadt Odessa, Hennadij Truchanow, die Staatsbürgerschaft entzogen. Wie das staatliche Nachrichtenprogramm unter Berufung auf Quellen im Präsidentenbüro meldet, betrifft das kürzlich unterzeichnete Dekret Truchanow persönlich. Damit verliert der Politiker nicht nur seine Bürgerrechte, sondern faktisch auch sein Amt – denn ohne ukrainische Staatsbürgerschaft kann er nicht länger Bürgermeister sein.
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Selenskyj erklärte auf Telegram: «Ebenso wurde das Vorhandensein einer russischen Staatsbürgerschaft bei mehreren Personen bestätigt, entsprechende Entscheidungen zu ihnen wurden vorbereitet. Das Dekret wurde unterzeichnet.» Truchanow droht nun sogar die Abschiebung. Er selbst bestreitet die Vorwürfe entschieden: «Ich habe nie einen russischen Pass besessen», sagte er im öffentlich-rechtlichen Fernsehen und kündigte rechtliche Schritte gegen den Entscheid an. Bereits 2022 sei seine Person durch den Geheimdienst überprüft worden.
Parallel zur Ausbürgerung wurde laut einer offiziellen Antwort auf eine Petition die Einrichtung einer Militärverwaltung für Odessa eingeleitet. Die Stadt gilt als strategisch zentral, nicht zuletzt wegen ihrer Lage am Schwarzen Meer. Truchanow, seit 2014 im Amt, hatte sich stets öffentlich gegen russische Angriffe auf Odessa ausgesprochen.
Der Entzug der Staatsbürgerschaft ist in der Ukraine spätestens seit der russischen Invasion kein Einzelfall mehr. Im Sommer hatte Selenskyj bereits das Oberhaupt der moskautreuen ukrainisch-orthodoxen Kirche, Onufrij, ausgebürgert. Kritiker wie Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko sehen darin autoritäre Tendenzen.