Mit markigen Worten hatte Bundeskanzler Friedrich Merz in seiner ersten Regierungserklärung im Mai einen wirtschaftlichen Umschwung angekündigt: «Ich möchte, dass wir schon im Sommer spüren: Hier verändert sich langsam etwas zum Besseren. Es geht voran.» Doch die Realität sieht ernüchternd aus.
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Wie die Bild-Zeitung berichtet, wächst die wirtschaftliche Not in Deutschland rasant: Im Juli wurden 4007 Unternehmensinsolvenzen gemeldet – 19,2 Prozent mehr als im Vorjahr, der höchste Stand seit über einem Jahrzehnt. Die Industrieproduktion fiel im Juni auf das Niveau der Corona-Zeit zurück, besonders betroffen sind Chemie-, Maschinen- und Fahrzeugbau.
Auch der Arbeitsmarkt schwächelt: Laut Bundesagentur für Arbeit lag die Zahl der Arbeitslosen im August bei fast 3 Millionen – ein Wert, der zuletzt vor über zehn Jahren erreicht wurde. Mehr als 125.000 Stellenstreichungen wurden seit dem 1. Juli angekündigt.
Zwar kündigten führende Konzernchefs beim «Bosse-Gipfel» im Kanzleramt Investitionen in Milliardenhöhe an, doch Ökonomen mahnen strukturelle Reformen an. Clemens Fuest vom ifo-Institut fordert ein umfassendes Reformkonzept, inklusive Lockerung des Kündigungsschutzes, Steuervereinfachung und Bürokratieabbau.
Besonders drastisch formulierte es Siemens-Chef Roland Busch: Manche Industrien stünden vor immensen Herausforderungen oder können so in Deutschland «nicht mehr verteidigt werden». Mercedes-Chef Ola Källenius warnte vor einer überzogenen Klimapolitik der EU, die Europa seine industrielle Führungsrolle kosten könnte.