Die Füllstände deutscher Gasspeicher sind auf ein kritisches Niveau gesunken. Nach aktuellen Daten des Verbands Gas-Infrastruktur Europa liegen sie bundesweit unter 29 Prozent – ein Niveau, das bei anhaltend kaltem Wetter binnen Wochen zur vollständigen Entleerung führen könnte, berichtet das Portal Apollo News. Der grösste Speicher im niedersächsischen Rehden liegt sogar nur noch bei 8 Prozent, in Bayern sind mehrere Speicher fast leer.
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Laut Gasspeicher-Füllstands-Verordnung hätte jeder Speicher bis zum 1. Februar mindestens zu 30 Prozent gefüllt sein müssen, für bayerische Speicher gelten teils sogar 40 Prozent. Doch etliche Speicher, darunter auch der drittgrösste bundesweit, verfehlten diese Zielmarken deutlich. Konsequenzen für die Betreiber? Fehlanzeige. Wie das Bundeswirtschaftsministerium gegenüber Apollo News bestätigte, führe die Bundesregierung nicht einmal ein eigenes Register über die Speicherstände, sondern verlasse sich auf öffentlich zugängliche Schätzwerte des Branchenverbands.
Eine Ministeriumssprecherin erklärte: «Ein Grossteil der Speicher ist zu mehr als 30, 40 und 50 Prozent gefüllt.» Dass ausgerechnet die grössten und besonders relevanten Speicher dramatisch unterversorgt sind, wurde nicht kommentiert.
Die Lage könnte sich rasch zuspitzen. Experten warnen: Je leerer ein Speicher, desto langsamer die Entnahme. Sinkt die Temperatur weiter, drohen Preissprünge am Gasmarkt und Engpässe in der Industrie. In letzter Konsequenz müsste die Bundesnetzagentur zugunsten der Haushalte industrielle Verbraucher abschalten – ein Szenario, das bislang nur in der höchsten Eskalationsstufe des Notfallplans Erdgas vorgesehen ist.