Die EU-Aussenbeauftragte Kaja Kallas nennt Kommissions-Präsidentin Ursula von der Leyen intern «Diktatorin». Dies berichtet Politico unter Berufung auf einen hochrangigen EU-Beamten. Kallas «beklagt sich intern darüber, dass sie [von der Leyen] eine Diktatorin sei, aber sie könne kaum oder gar nichts dagegen ausrichten», sagte der Beamte.
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Kallas steht an der Spitze des Europäischen Auswärtigen Dienstes (EAD), dessen Einfluss seit je begrenzt ist, da die Mitgliedstaaten ihre Aussenpolitik selbst steuern wollen. Das Verhältnis zwischen Kallas und von der Leyen gilt laut Politico als besonders angespannt und sei «noch schlechter» als zuvor mit Kallas’ Vorgänger Josep Borrell. Hintergrund sind anhaltende Streitigkeiten über Kompetenzen.
So entzog die Kommission Kallas im vergangenen Jahr die Zuständigkeit für den Mittelmeerraum und schuf stattdessen eine neue Generaldirektion für Nahost, Nordafrika und den Golf, die direkt der Kommission unterstellt ist. Zudem verhinderte das Büro von der Leyens laut Politico den Versuch von Kallas, den früheren Juncker-Vertrauten Martin Selmayr als starken Stellvertreter zu installieren.
Kritik am Führungsstil von der Leyens ist nicht neu. Die frühere EU-Ombudsfrau Emily O’Reilly sprach in einem Politico-Interview von einem mafiösen Netzwerk nicht gewählter Technokraten, das die EU lenke. Der Konflikt zwischen Kallas und von der Leyen wurde zuletzt öffentlich, als Kallas im Herbst 2025 Plänen für einen EU-eigenen Nachrichtendienst widersprach.