Deutschlands grösste Konzerne bauen weiter Stellen ab – und lassen sich den Abschied ihrer Mitarbeiter teuer bezahlen. Wie das Handelsblatt berichtet, gaben die Dax-Unternehmen allein in den ersten neun Monaten 2025 rund sechs Milliarden Euro für Restrukturierungen aus. Seit Anfang 2024 summieren sich die Kosten auf mehr als sechzehn Milliarden Euro. Hauptposten: Abfindungen und Vorruhestandsregelungen, teilweise in sechsstelliger Höhe.
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Besonders aktiv ist Volkswagen: Dort erhalten Führungskräfte mit langjähriger Betriebszugehörigkeit Abfindungen von mehreren Hunderttausend Euro. Ein Rechenbeispiel zeigt: Ein 50-jähriger Unterabteilungsleiter mit 9000 Euro Monatsgehalt und über zwanzig Jahren im Unternehmen kann auf 400.000 Euro kommen. Selbst auf unteren Entgeltstufen zahlen sich zehn oder zwanzig Jahre Betriebszugehörigkeit noch mit bis zu 100.000 Euro aus.
Auch Mercedes verfolgt einen grossangelegten Stellenabbau: Rund 40.000 Mitarbeitern wurde ein Abfindungsprogramm angeboten, 4000 haben bereits angenommen. Wer sich bis Ende Juli 2025 für einen Ausstieg entschied, konnte besonders hohe Prämien erhalten. Laut Berechnung des Handelsblatts erhielt ein 55-jähriger Teamleiter mit dreissig Berufsjahren eine Abfindung von etwa einer halben Million Euro.
Der Pharma- und Chemiekonzern Bayer hat ein ähnliches Modell eingeführt – inklusive «Sprinterprämie»: Wer sich schnell entscheidet, zu gehen, bekommt mehr Geld. Bei 35 Jahren Betriebszugehörigkeit seien bis zu 52,5 Monatsgehälter drin, bei einem Einkommen von 8000 Euro sind das 420.000 Euro. Alternativ kann die Abfindung über sechs Jahre in monatlichen Raten bezogen werden, wenn die Anspruchsvoraussetzungen für einen vorgezogenen Ruhestand erfüllt sind.
Hintergrund ist die anhaltend schwache Konjunktur. Das Beschäftigungsbarometer sank im November auf 92,5 Punkte – ein erneuter Rückgang.