Bei den Mitte-Delegierten sollte sie am Samstag nur gefeiert werden: Die frühere Bundesrätin Viola Amherd wurde von ihren Parteifreunden sorgfältig vor Journalisten und kritische Fragen abgeschirmt. Doch dürfte sie lediglich eine kleine Verschnaufpause erhalten haben. Denn das Parlament und die Medien werden sie noch hartnäckig wegen des versprochenen, aber von den USA nicht eingehaltenen «Fixpreises» für die Kampfjets F-35 befragen.
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Hinter der journalistischen wie politischen Kritik an der Walliserin gibt es allerdings viel Unehrlichkeit. Wenn die NZZ am Sonntag beispielsweise auf Amherd eindrischt, ihr «schwere Fehler» vorrechnet und ihr vorwirft, sie habe kritische Fragen «weggewischt», muss sich das Blatt selber fragen: Wo war die Kritik während ihrer Amtszeit?
Weder ihre verkrampft vorangetriebene Feminisierung der Armee noch die Elektrifizierung der Fahrzeuge zwecks Klimaabkühlung wurde medial wirklich kritisiert. Amherds Neutralitätsmüdigkeit, die Art, wie sie sich und die Schweizer Armee an die Nato heranschmiss, und auch ihr gefloppter Ukraine-Gipfel auf dem Bürgenstock fanden keine kritische Journalisten.
Dabei wussten alle Eingeweihten, dass Viola Amherd schlicht das Format und das nötige persönliche und politische Rüstzeug für das Amt eines Bundesrates abging. Ihre persönliche Mitarbeiterin Brigitte Hauser-Süess vermochte ihre schweren Defizite lange notdürftig zu überschminken. Gleichzeitig herrschte in ihrem Departement eine Kultur der Angst und des Kuschens, denn wer ihr widersprach, der flog. Schwache ertragen bekanntlich unter sich keine Starken.