Was fällt uns zu Italien ein? Meer, Sonne, Pizza, malerische Städte, Dolce Vita – aber auch Schlampereien, Korruption, Mafia, Asylchaos und eine Staatsverschuldung, dass einem schwindlig wird.
Der Filmemacher Franco Zeffirelli hat sein Heimatland folgendermassen beschrieben: «In Italien funktionieren nur drei Institutionen: der Vatikan, die Mafia und die Scala [das Opernhaus, red.] in Mailand.»
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Welche Schlagworte gehören zur Schweiz? Berge, Schnee, Uhren, Schokolade, Banken, funktionierende Institutionen, eine tiefe Schuldenquote, wenig Arbeitslose, Wohlstand, Sicherheit, schweizerische Arbeitsmoral und eine hohe Lebensqualität.
Leider ist in der Silvesternacht das Grauen über dieses Land hereingebrochen. Ein Brand in einer Bar in Crans-Montana kostete 41 Menschen das Leben, 115 wurde zum Teil schwer verletzt. Sechs Tote und viele Versehrte sind Italiener.
Seither vergeht kaum ein Tag, an dem die italienischen Politiker und Medien der Schweiz nicht den Prozess machen. Ausgerechnet Italien. Die dort von Politik und Medien inszenierte Empörung ging gar so weit, dass unser südlicher Nachbar den Botschafter in Bern kurzerhand abberufen hat.
Gestern fand in Bern ein weiterer Akt dieser «Opera buffa» statt. Eine Ermittlertruppe aus Italien mit dem obersten Römer Staatsanwalt Francesco Lo Voi marschierte auf, um sich mit der Walliser Staatsanwaltschaft und Béatrice Pilloud über die Brandkatastrophe in Crans-Montana auszutauschen.
Man versprach sich, gegenseitig enger zusammenzuarbeiten, tauschte Ermittlungsergebnisse aus. Auch sollen künftig Untersuchungsbeamte bei Ermittlungen im jeweils anderen Staat anwesend sein. Gut, hatte die Schweiz wenigstens die Kraft und den Mut, den Italienern eine gemeinsame Ermittlungstruppe auszureden. Jedenfalls wurde darüber nach dem Treffen in Bern nicht mehr geredet.
Man fragt sich aber zunehmend, was das für arrogante Allüren eines Landes sind, das seit Jahren am Staatsbankrott entlangsegelt und von Skandalen erschüttert wird. Jeder Norditaliener, der ein Auto besitzt, drängt für eine gutbezahlte Arbeitsstelle ins Tessin. Wir bezahlen Italien die Zufahrtsstrecken für die Alpentransversalen, schicken über den EU-Kohäsionsfonds Millionen zur Bewältigung des italienischen Asylchaos. Und dennoch lassen wir es zu, dass ausgerechnet dieser Staat die Schweiz wie eine Bananenrepublik behandelt.
Glauben die Italiener tatsächlich, dass sie zu den Ermittlungen der Schweizer Behörden vor Ort einen wichtigen, einschneidenden Beitrag leisten können? Was kann dieses Land ermittlungstechnisch tatsächlich bieten? Oder will Italien bloss umfassende Einsicht in die Ermittlungsakten, um die Eidgenossenschaft öffentlich durch den Dreck zu ziehen?