In der norditalienischen Stadt Turin ist es am Wochenende zu schweren Ausschreitungen gekommen. Anlass war die Schliessung des linken Kulturzentrums «Askatasuna», das seit Jahrzehnten als Treffpunkt der autonomen Szene galt. Nach Polizeiangaben versammelten sich am Samstag rund 15'000 Demonstrierende in der Innenstadt, laut Veranstaltern waren es sogar bis zu 50'000.
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Zunächst verlief die Kundgebung friedlich. Dann eskalierte die Lage. Vermummte Teilnehmer warfen Steine und Molotowcocktails, setzten Müllcontainer und einen Einsatzwagen in Brand. Die Polizei reagierte mit Tränengas und Wasserwerfern. Insgesamt wurden über 100 Sicherheitskräfte verletzt, mindestens zehn Personen festgenommen. Auch Demonstrierende sollen verletzt worden sein, genaue Zahlen dazu liegen bislang nicht vor.
Besonders entsetzt zeigte sich die Öffentlichkeit über ein Video, das zeigt, wie ein am Boden liegender Polizist mit Tritten und einem Hammer attackiert wird. Der 29-jährige Beamte Alessandro Calista erlitt dabei schwere Kopfverletzungen. Er wurde ins Krankenhaus eingeliefert, schwebt laut Behörden aber nicht in Lebensgefahr. Inzwischen wurde ein 22-jähriger Tatverdächtiger festgenommen.
Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni reiste nach Turin und kündigte politische Konsequenzen an. Man werde «die Bedrohung der öffentlichen Ordnung» bewerten und ein neues Sicherheitsdekret prüfen. «Das ist kein Protest, das ist versuchte Tötung», erklärte Meloni auf sozialen Medien. Auch Innenminister Matteo Salvini forderte schärfere Gesetze – etwa eine Kautionspflicht für Demonstrierende.