Italien überrascht mit einem ungewohnten Titel: Musterschüler Europas in Sachen Wirtschaft. Das Land holt beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf zu Frankreich auf – ein symbolischer Meilenstein, der in Rom für Euphorie sorgt.
Besonders die Regierung von Giorgia Meloni, die sich gerne als wirtschaftlich kompetent inszeniert, nimmt die positive Entwicklung dankbar auf. Auch der sogenannte spread, der Unterschied zwischen den Renditen italienischer und deutscher Staatsanleihen, hat sich zuletzt stabilisiert – ein weiteres Signal der Marktberuhigung.
Mondadori Portfolio/Archivio Massimo Di Vita/Massimo Di Vita
Die wirtschaftliche Dynamik lässt sich teils durch strukturelle Reformen, teils durch Sondereffekte erklären. Die Steuerreform und Investitionen im Rahmen des EU-Wiederaufbauplans haben Impulse gesetzt.
Gleichzeitig profitiert Italien vom wachsenden Tourismussektor und einer robusten industriellen Nachfrage. Allerdings mahnen Ökonomen zur Vorsicht: Der Reformprozess ist fragil, die hohe Staatsverschuldung bleibt ein Risiko, und langfristige strukturelle Probleme – von Bürokratie bis Demografie – sind ungelöst.
Für den Moment geniesst Rom den ökonomischen Rückenwind. Premierministerin Meloni spricht von einer «neuen Ära» und verweist auf die zurückgewonnene Glaubwürdigkeit des Landes auf den internationalen Finanzmärkten.
Ob der Aufschwung von Dauer ist, bleibt offen – doch vorerst hat Italien sein Image als «kranker Mann Europas» abgeschüttelt.