Istanbuls Bürgermeister Ekrem Imamoglu befindet sich weiterhin im Gewahrsam der Polizei, nachdem er am Vortag unter dem Vorwurf der Korruption und der Beihilfe für eine Terrorgruppe festgenommen worden war. Die türkischen Behörden haben zudem prominente Unterstützer Imamoglus, Demonstranten und Personen festgenommen, die auf sozialen Medien «provokative» Posts über die Festnahme geteilt hatten. Wie Innenminister Ali Yerlikaya bekanntgab, wurden binnen 24 Stunden allein auf X 18,6 Millionen Posts geteilt.
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Die Festnahme erfolgte wenige Tage vor einem Kongress der oppositionellen Republikanischen Volkspartei (CHP), die Imamoglu für die Präsidentschaftswahlen 2028 nominieren wollte. Es gilt allerdings nicht als ausgeschlossen, dass die Wahlen vorgezogen werden könnten. Der populäre Bürgermeister der Bosporus-Metropole gilt als einziger Gegenspieler, der Amtsinhaber Recep Tayyip Erdogan gefährlich werden könnte. Nach Angaben des CHP-Vorsitzenden Özgür Özel werde die Partei Imamoglu trotz der jüngsten Ereignisse nominieren. Er nannte die Festnahme einen «Putschversuch».
Dies könnte freilich juristische Probleme aufwerfen, da die Istanbul Universität Imamoglu sein Diplom aberkannt hat. Ein Studienabschluss ist jedoch nach türkischem Recht die Voraussetzung für eine Kandidatur um das Amt des Präsidenten der Republik. Imamoglu wurde zweimal zum Bürgermeister von Istanbul gewählt, das letzte Mal mit einer Mehrheit von 52 Prozent. Auch Erdogan hatte dieses Amt als Sprungbrett für seine Karriere als Regierungs- und später Staatschef genutzt.
Ein Sprecher des türkischen Präsidialamtes erklärte, dass die Opposition versuche, die Integrität einer gerichtlichen Untersuchung zu untergraben. «Jede Entscheidung, die von einer unabhängigen Justiz getroffen wird, sollte von allen Teilen der Gesellschaft respektiert werden», hiess es auf X.