Ryanair ist auf dem besten Weg, die erfolgreichste Fluggesellschaft der Welt zu werden. Diese Ansicht verbreitet zumindest das renommierte Magazin The Economist. Während andere Airlines mit Margendruck und Konkurrenz kämpfen, meldete der irische Billigflieger Rekordzahlen: Für das laufende Geschäftsjahr bis Ende April rechnet das Unternehmen mit 208 Millionen Passagieren – doppelt so viele wie etwa EasyJet, dreimal so viele wie Wizz Air. Die operative Marge liegt bei beachtlichen 15 Prozent, weit über dem Branchendurchschnitt von vier Prozent. Seit Anfang 2023 hat sich der Aktienkurs mehr als verdoppelt.
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Das Erfolgsrezept: Ein kompromissloses Kostenregime. Ryanair fliegt vorzugsweise günstigere Flughäfen an, betreibt ausschliesslich Boeing-737-Maschinen, verzichtet auf Bordkomfort und vermeidet Standzeiten. «Laserhafter Fokus auf Kosten», nennt es der Luftfahrtanalyst Keith McMullan im Economist. Ryanair Unternehmenschef Michael O’Leary bleibt seiner Linie treu – und seinem Stil: Als Elon Musk ihn kürzlich als «Idiot» beschimpfte, konterte O’Leary mit einer «Big Idiot»-Ticketaktion und freute sich über kostenlose Werbung. Musk, der ankündigte, Ryanair kaufen zu wollen, scheiterte an EU-Regularien – nicht jedoch an medialer Aufmerksamkeit.
Trotz Provokationen verfolgt O’Leary einen strikt betriebswirtschaftlichen Kurs. Gleichzeitig bewahrt Ryanair Flexibilität: Flugzeuge werden laufend dorthin verlegt, wo sich höhere Renditen erzielen lassen. Flughäfen, die sich nicht an die Preisvorstellungen halten, werden abgestraft – wie jüngst mehrere Regionalflughäfen in Spanien.
Mit über 640 Maschinen ist Ryanair die grösste Airline Europas. Der nächste Expansionsschritt ist bereits geplant: Bis 2034 sollen 300 Millionen Passagiere jährlich transportiert werden, unterstützt durch eine Bestellung von bis zu 300 neuen Boeing-Jets.