Israel hat nach eigenen Angaben mit den jüngsten Luftangriffen auf iranisches Territorium einem unmittelbar bevorstehenden Durchbruch bei der Atombombe Teherans zuvorkommen wollen – was der Einschätzung der amerikanischen Geheimdienste widerspricht.
Premierminister Benjamin Netanjahu erklärte dem US-Sender Fox News: «Sie waren sehr schnell unterwegs», die iranische Führung habe in einem geheimen Programm aktiv an der militärischen Nutzung von Uran gearbeitet. Was nicht einhergeht mit den Erkenntnissen der US-Geheimdienste.
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Laut einem CNN-Bericht stützen sich diese auf eine aktuelle Einschätzung, wonach Iran zwar alle technischen Voraussetzungen besitzt, aber mindestens drei Jahre davon entfernt ist, eine einsatzfähige Atombombe zu bauen. «Die Angriffe könnten Iran zu dem treiben, was sie bisher nicht getan haben – den Bau einer Bombe», erklärte ein ranghoher US-Beamter. Der Oberste Führer Ajatollah Ali Chamenei habe den Bau allerdings weiterhin nicht autorisiert.
Während Israel mit gezielten Angriffen unter anderem die Urananreicherungs-Anlage in Natanz schwer beschädigte, blieb die stärker gesicherte Anlage in Fordo weitgehend intakt. Ohne amerikanische Bunkerbrecher-Bomben sei ein solcher Schlag kaum möglich, so Experten. Laut Brett McGurk, ehemaliger US-Diplomat, kann Israel zwar «über den Anlagen kreisen», aber «wenn man sie wirklich ausschalten will, braucht es entweder einen US-Militärschlag oder ein Abkommen».
Die US-Regierung unter Donald Trump bemüht sich bisher, nicht direkt in den militärischen Konflikt zwischen Israel und Iran hineingezogen zu werden. Trump erklärte ABC News: «Wir sind nicht involviert. Es ist möglich, dass wir involviert werden. Aber momentan sind wir es nicht.»
Die Internationale Atomenergiebehörde IAEA hatte vergangene Woche gewarnt, Iran verfüge bereits über genug nahezu waffenfähiges Uran für den Bau mehrerer Bomben.