Israel steht in Gesprächen mit dem krisengeschüttelten Südsudan, um Palästinenser aus dem Gazastreifen dorthin umzusiedeln. Dies berichtet die Times of Israel. Sechs mit dem Vorgang vertraute Personen bestätigten entsprechende diplomatische Kontakte. Wie weit die Pläne fortgeschritten sind, bleibt jedoch unklar.
Würde das Vorhaben umgesetzt, bedeutete es die Verlagerung von Menschen aus einem Kriegsgebiet, das von Hunger bedroht ist, in ein anderes, das seit Jahren von Bürgerkrieg, Korruption und instabiler Sicherheitslage geprägt ist. Die israelische Regierung spricht von «freiwilliger Auswanderung», während Kritiker – darunter auch palästinensische Organisationen – von einem Verstoss gegen das Völkerrecht sprechen.
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Laut dem US-Lobbyisten Joe Szlavik, dessen Firma mit Südsudan zusammenarbeitet, könnte eine israelische Delegation das ostafrikanische Land besuchen, um den Aufbau von Übergangslagern zu prüfen, die von Israel finanziert würden. Auch Edmund Yakani, Vertreter einer südsudanesischen Zivilgesellschaftsgruppe, bestätigt Gespräche mit Regierungsvertretern.
Zwei ägyptische Beamte erklärten zudem der Nachrichtenagentur AP, dass Israel seit Monaten versuche, Drittstaaten für die Aufnahme von Palästinensern zu gewinnen – und dabei gezielt Südsudan kontaktiert habe. Sie selbst würden gegen eine solche Aufnahme lobbyieren.
Die humanitäre Lage im Südsudan ist prekär. Seit der Unabhängigkeit 2011 tobt ein Bürgerkrieg, rund 400.000 Menschen kamen dabei ums Leben. Das Land ist auf internationale Hilfe angewiesen. Der jüngste Friedensvertrag gilt als brüchig. «Südsudan sollte kein Abladeplatz für Menschen werden», sagte Yakani. «Und es sollte keine Verhandlungsmasse zur Verbesserung internationaler Beziehungen darstellen.»