Im Interview mit 20 Minuten verteidigt Irans Botschafter in der Schweiz, Mahmud Barimani, die Linie seines Landes und erhebt schwere Vorwürfe gegen den Westen.
Die Tötung Chameneis bezeichnet Barimani als «kriminellen Akt des amerikanischen und des israelischen Regimes» und als «eklatante Verletzung des Völkerrechts». Im Iran trauerten Millionen Menschen, sagte er, während der Westen schweige. Die Medien sollten die «riesigen Trauermassen in Teheran nicht ignorieren».
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Trotz des Schlags gegen die Führung sei der Staat handlungsfähig. Gemäss Verfassung übernehme ein Übergangsrat aus Präsident, Justizchef und einem Vertreter des Expertenrats die Führung, bis ein neuer Oberster Führer gewählt werde. Eine Einmischung der USA in diese Nachfolge weist Barimani scharf zurück: «Niemals! Das ist allein die Angelegenheit des iranischen Volkes.»
Auch die amerikanische Begründung für den Angriff, die angebliche Gefahr einer iranischen Atombombe, weist der Diplomat zurück. Das sei «eine Lüge» und Teil einer Propagandastrategie. Selbst internationale Inspektoren hätten keine Beweise für ein Atomwaffenprogramm gefunden.
Bei den Protesten im Iran sieht Barimani ausländische Kräfte am Werk. Friedliche Demonstrationen habe es zwar gegeben, doch später seien bewaffnete Gruppen aufgetreten, «die von Israel und den USA bewaffnet wurden».
Die iranischen Vergeltungsschläge gegen Ziele in der Region verteidigt der Botschafter als Selbstverteidigung. Man greife Orte an, «von denen aus Angriffe auf den Iran gesteuert wurden». Dass dabei zivile Infrastruktur getroffen wurde, erklärt er damit, dass sich dort Kommandostrukturen befunden hätten. Anschläge in anderen Ländern führt er dagegen auf «Operationen unter falscher Flagge» durch die USA oder Israel zurück.
Einen langen Krieg schliesst Teheran nicht aus. «Wir sind darauf vorbereitet», sagt Barimani. Raketen und Drohnen produziere man selbst. Sollten amerikanische oder israelische Bodentruppen eingesetzt werden, «würde das für sie in einer absoluten Katastrophe enden».
Von der Schweiz erwartet der Botschafter als neutralem Staat, dass sie die Angriffe verurteilt und das Völkerrecht verteidigt. «Nur Besorgnis auszudrücken, ist nicht genug.»