Die Invalidenversicherung (IV) gerät zunehmend unter finanziellen Druck, da die Zahl der Neurenten drastisch ansteigt. 2024 wurden 22.800 neue Renten zugesprochen – ein massiver Sprung gegenüber den 17.600 im Vorjahr, berichtet der Tages-Anzeiger. Alarmierend ist die Entwicklung bei den 18- bis 24-Jährigen sowie bei den 60- bis 64-Jährigen. Da über die Hälfte dieser Neurenten auf psychische Erkrankungen zurückzuführen ist, rechnet das Bundesamt für Sozialversicherungen mit jährlichen Defiziten von bis zu 400 Millionen Franken.
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Um den drohenden Liquiditätsengpass abzuwenden, hat der Bundesrat nun Eckwerte für eine tiefgreifende IV-Reform festgelegt. Für 18- bis 25-Jährige soll eine neue, tiefe Integrationsrente eingeführt werden, die strikt an medizinische Behandlungspläne und berufliche Eingliederungsmassnahmen geknüpft ist, um einen dauerhaften Rentenbezug zu verhindern. Da Sparmassnahmen allein kaum ausreichen dürften, prüft die Regierung zudem eine Erhöhung der Lohnbeiträge um 0,1 bis 0,2 Prozentpunkte, die je zur Hälfte von Arbeitgebern und Arbeitnehmern getragen werden soll.
Die finanzielle Situation wird zusätzlich durch eine Altschuld von rund 10 Milliarden Franken bei der AHV belastet, für welche die IV jährlich 200 Millionen Franken an Zinsen aufbringen muss. Ohne Gegenmassnahmen droht das Vermögen der IV spätestens bis 2039 vollständig aufgebraucht zu sein.
Interessant: Bereits 2007 thematisierte die Weltwoche die «Scheindebatte mit Vollinvaliden». Damals waren nicht die «klassischen IV-Fälle» das Problem, «sondern die politisch fabrizierten». Den Text dazu lesen Sie hier.