Nach der Wahlniederlage und dem Verlust der Regierungsbeteiligung geraten die Grünen zunehmend in Turbulenzen. Bei einer ausserordentlichen Mitarbeiterversammlung Ende Juli in Berlin kündigte die Parteiführung an, rund dreissig befristete Stellen in der Bundesgeschäftsstelle zum Jahresende zu streichen. Offiziell werden Kostengründe genannt – der Personalabbau nach Wahlkämpfen ist zwar üblich, trifft diesmal jedoch auf ein Klima innerparteilicher Unsicherheit.
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Laut Handelsblatt kam es während des Treffens zum Eklat. Die Finanzchefin der Bundespartei, Manuela Rottmann, soll den Tag als «Fuck-up-Scheisstag» bezeichnet haben, eine betroffene Mitarbeiterin gar den «Untergang der Partei» ausgerufen haben. Kritik entzündet sich insbesondere daran, dass die Nichtverlängerung der Verträge nicht früh genug kommuniziert worden sei. Zudem werfen Angestellte der Parteiführung, allen voran Co-Chefin Franziska Brantner, mangelndes Interesse an der Parteizentrale vor.
Der Ärger richtet sich auch gegen die Intransparenz bei der Auswahl, wer bleiben darf und wer gehen muss. Ein Mitarbeiter sprach gegenüber dem Blatt von einem «intransparenten, unehrlichen und in Teilen schlicht verlogenen» Vorgehen. Der interne Machtkampf um den künftigen Oppositionskurs verstärkt die Spannungen zusätzlich. Ohne ihre frühere Doppelspitze Annalena Baerbock und Robert Habeck wirkt die Partei derzeit orientierungslos.