Rheinland-Pfalz hat gewählt. Und wie so oft nach deutschen Wahlen stellt sich die entscheidende Frage: Hat sich irgendetwas verändert? Kurze Antwort: nein. Längere Antwort: auch nein, aber begründet mit Diagrammen.
Die AfD ist die Partei, die am meisten zugelegt hat. Die CDU ist stärkste Kraft geworden. Und das ausgerechnet aus einem fast schon rührend altmodischen Grund: wegen ihres Programms, ermitteln die Wahlforscher. Nicht wegen des Kandidaten Gordon Schnieder, der eher die Ausstrahlung eines soliden Bankberaters hat, sondern weil Wähler sagen, tatsächlich Inhalte gewählt zu haben. Man möchte sich kurz setzen.
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Doch dann wird klar, woran das liegt: Rheinland-Pfalz, einst Helmut-Kohl-Land, ist heute vor allem BASF-Land. Und BASF ist kein Unternehmen, BASF ist ein energetisches Ereignis. Der nach Umsatz grösste Chemiekonzern der Welt verbraucht an seinem Standort Ludwigshafen in etwa so viel Energie wie ganz Berlin. Und während in der Bundeshauptstadt über Lastenräder diskutiert wird, fragt man sich in Ludwigshafen, ob morgen noch genug Strom für die Ammoniakanlage da ist. Wer in einer Region lebt, in der Industrie nicht Folklore, sondern Existenz ist, wählt irgendwann nicht mehr Moral, sondern Strompreis. Rot und Grün haben dann abgewirtschaftet, und die CDU muss nicht einmal gut sein. Es reicht für sie, weniger falsch zu wirken. Immer wenn es der Industrie schlecht geht, legen die Konservativen zu. Nicht, weil die Menschen plötzlich konservativer werden, sondern sie werden nervöser. Existenz schlägt Gesinnung.
Und die SPD? Die hat es geschafft, ihren historischen Markenkern elegant zu entsorgen. Früher Partei der Arbeiter, heute Partei der Umverteilung. Dumm nur, dass die Umverteilung inzwischen genau jene trifft, die morgens um sechs in die Produktion gehen und Ende des Monats dafür ein ordentliches Gehalt erhalten. Sie fühlen sich nicht mehr von denen vertreten, die bei jeder Gelegenheit, Transferzahlungen auf Kosten der Fleissigen erhöhen wollen.
Was jetzt passieren wird? Nicht viel. Rheinland-Pfalz erhält - der Brandmauer sei’s geschuldet - eine Regierung, die so gefärbt sein wird, wie die in Berlin. Und dort passiert auch wenig. Am Ende bleibt der alte Sponti-Spruch erschreckend aktuell: «Wenn Wahlen etwas verändern würden, wären sie längst verboten.»