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Individualbesteuerung: Die Vorlage schafft mehr Probleme, als sie löst

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Individualbesteuerung: Die Vorlage schafft mehr Probleme, als sie löst
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Da im Kanton Bern im März auch noch Regierungs- und Grossratswahlen anstehen, flatterte pünktlich zur Abstimmung am 8. März ein Flyer der Grünen in den Briefkasten.

Darin behauptet die Partei zur Vorlage über die Individualbesteuerung: «Heute sind verheiratete Haushalte, welche nur ein Einkommen haben, die Ausnahme (2,2 Prozent).»

Eine «Ausnahme»? Nun, das Phänomen ist rasch erklärt: Bei 60 Prozent der Haushalte handelt es sich um Einpersonenhaushalte, Rentnerhaushalte oder Alleinerziehende. Dort gibt es definitionsgemäss gar kein zweites Lohneinkommen.

© KEYSTONE / URS FLUEELER
Ein Abstimmungsplakat der SVP zur Individualbesteuerungsinitiative.
© KEYSTONE / URS FLUEELER

Somit sind bloss 40 Prozent aller Haushalte überhaupt Paarhaushalte im erwerbsfähigen Alter mit und ohne Kinder. Da bekanntlich längst nicht alle davon das «traditionelle» Familienmodell mit Vollzeit erwerbstätigem Ehemann und Vollzeit-Hausfrau pflegen, ist man schnell im einstelligen Prozentbereich.

Anstatt Prozentzahlen zu wälzen, lohnt sich vielmehr ein genauerer Blick auf diese Haushalte: Gemäss der Schweizerischen Arbeitskräfteerhebung leben 10 Prozent der Paarhaushalte das «traditionelle» Alleinernährer-Modell. Bei Familien mit Kindern sind es 13 Prozent.

Allerdings dürfte diese Zahl den wahren Sachverhalt eher unterzeichnen: So geben doppelt so viele Frauen als Männer an, «erwerbslos» zu sein, obwohl die Arbeitslosenquote bei Männern traditionell höher liegt als bei Frauen. Bei einigen dieser Haushalte dürfte es sich daher in Wirklichkeit ebenfalls um Alleinernährer-Haushalte handeln.

Noch interessanter ist ein Blick auf die Details: So sieht man, dass bei Paaren mit drei und mehr Kindern, mit dem jüngsten Kind im Alter von null bis drei Jahren, das Alleinernährer-Modell das populärste Familienmodell ist.

Familien, welche das «traditionelle» Familienmodell praktizieren, mögen rein prozentual als «Ausnahme» erscheinen: Doch genau sie sind es, die wesentlich zur demografischen Stabilität der Schweiz beitragen.

Wird dieses Modell aufgrund der Individualbesteuerung in Zukunft steuerlich weniger attraktiv, werden wohl einige dieser Eltern auf zusätzliche Kinder verzichten (müssen) – und stattdessen beide Elternteile arbeiten gehen.

Die Erwerbsquote der Mütter würde sich dann, zur grossen Freude der Befürworter der Vorlage, um einige Promille erhöhen.

Dass sich dadurch auch die Geburtenrate um ein Mehrfaches davon verringert, werden sie uns allerdings tunlichst verschweigen.

Thomas Baumann ist Ökonom, ehemals tätig im Bundesamt für Statistik.

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