«Juden unerwünscht!», «Juden betreten den Ort auf eigene Gefahr», «Nicht für Juden» – solche oder ähnliche Plakate und Schilder wurden ab dem Frühsommer 1935 im gesamten Nazireich aufgestellt oder ausgehängt. Ziel war es, Juden nach und nach ein Leben in der Öffentlichkeit unmöglich zu machen.
Noch vor wenigen Jahren hätte ich mein gesamtes Hab und Gut drauf verwettet, dass es solche Schriftzüge in Deutschland nie wieder geben wird. So kann man sich irren. Denn in Flensburg kann man im Schaufenster eines Ladengeschäftes lesen: «Juden haben hier Hausverbot! Nichts Persönliches, auch kein Antisemitismus, kann euch nur nicht ausstehen.»
Als Journalist ist man ja gewohnt, jeden möglichen Wahnsinn zu kommentieren. Zumeist fallen einem auch ein paar halbwegs sinnvolle Sätze zu den Ereignissen der Welt ein. Und seien sie noch so abartig. In diesem Fall aber muss ich gestehen, dass mich eine grosse Fassungslosigkeit überkommen hat. Was für einen Weg hat Deutschland in den letzten Jahren eingeschlagen?
Hier läuft etwa schief. Und zwar grundsätzlich. Denn ein Geschäftsmann, der einen solchen Zettel in sein Schaufenster hängt, macht das ja nicht, um einen Skandal zu verursachen (vorausgesetzt, das Ganze war nicht ein sehr schlechter Scherz). So etwas macht man nur, wenn man Anhaltspunkte dafür hat, dass im Grunde ganz viele Mitbürger ebenso denken.
Und hier liegt das eigentliche Problem. Wer immer dieses Schild ins Schaufenster gehängt hat: Er war sich sicher, dass ein Hausverbot für Juden von den meisten Mitmenschen begrüsst oder zumindest toleriert wird. Das lässt sehr tief blicken.
Offensichtlich zeigt die Dauerbeschallung der Öffentlichkeit durch BDS-Aktivisten (boycott, divestment and sanctions), durch anti-israelische Aktionen, durch einschlägige Äusserungen verschiedener Kunstschaffender, durch den offenen Antisemitismus insbesondere unter Linkspartei und Klimarettern Wirkung. Man traut sich wieder. Man fühlt sich unter seinesgleichen.
Und der Schoss ist fruchtbar noch.