Während die religiöse Bindung unter jungen Amerikanern langfristig abnimmt, beobachten Seelsorger und Glaubensgemeinschaften in Amerika eine gegenläufige Entwicklung: Eine kleine, aber wachsende Gruppe junger Menschen praktiziert ihren Glauben mit bemerkenswerter Intensität. Besonders auf US-College-Campussen und in Städten wie Washington, D. C., erleben religiöse Einrichtungen einen unerwarteten Zulauf, berichtet die Washington Post.
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Am Catholic Student Center der University of Maryland hat sich die Zahl der wöchentlichen Gottesdienstbesucher laut eigenen Angaben binnen fünf Jahren verdoppelt – auf über 500. Auch Konversionen zum Katholizismus haben spürbar zugenommen. «Früher ging man aus Pflicht zur Messe», sagt Campus-Seelsorger Conrad Murphy. Heute sei es die Suche nach Sinn, Gemeinschaft und Wahrheit, die die Studierenden in die Kirchen führe.
Auch ausserhalb der etablierten Religionen wächst das Bedürfnis nach spiritueller Orientierung. Eric Doolittle, Seelsorger an der American University, bestätigt der Washington Post den Trend: «Alle religiösen und spirituellen Gruppen auf dem Campus erleben mehr Beteiligung – vom Christentum über den Islam bis hin zu Humanisten.» Der Soziologe Christian Smith spricht sogar von einer «spirituellen Revolution» – ausgelöst durch das Gefühl vieler junger Menschen, in einer kulturellen «Wüste des Sinns» zu leben.
Dem stehen offizielle Zahlen entgegen: Laut Pew Research Center sank der Anteil religiös gebundener 18- bis 24-Jähriger von 74 Prozent im Jahr 2007 auf 56 Prozent 2024. Dennoch zeigt eine Gallup-Erhebung einen Anstieg der Gottesdienstbesuche unter unter 30-Jährigen von 19 auf 25 Prozent seit 2020. Ein möglicher Erklärungsansatz: Die neue Religiosität ist selektiver, intensiver – und bewusst gewählt.