Der Ton spitzt sich zu, der Druck wird härter. Der deutsche Kanzler Friedrich Merz droht sogenannten Rebellen in der eigenen Partei und Fraktion. Vor dem Showdown zur Rentenfrage am Freitag sagte er in einer Fraktionssitzung: «Ich sehe, wer klatscht und wer nicht.»
Ein Satz, der Bände spricht. Vordergründig will Merz damit die Jungen in der CDU/CSU disziplinieren, sie seinen vagen Rentenplänen kritisch gegenüberstehen. Eigentlich sind die gewählten Volksvertreter nur ihrem eigenen Gewissen und dem Volk verpflichtet, das sie gewählt hat. Einen Fraktions- und Stimmzwang gibt es nicht. Aber eben.
Doch das ist nur das Offensichtliche.
«Ich sehe, wer klatscht und wer nicht»: Das ist ein Satz, in dem noch viel mehr mitschwingt. Es ist die Sprache eines kleinen Diktators. Aus richtigen, ausgewachsenen Diktaturen ist bekannt, dass es einem das Leben kosten kann, wenn man im falschen Moment klatscht oder nicht klatscht. Schon ein verrutschendes Gesicht, eine zuckende Braue kann Gefängnis, Folter, Mord heissen.
So weit ist Merz, ist Deutschland nicht. Statt mit der Vernichtung des Lebens droht der Kanzler den unbotmässigen Parteijugend «nur» mit der Vernichtung ihrer politische Karriere.