Ich habe meinen Sohn gefragt, wie der Krieg in Nahost an deutschen Schulen aufgearbeitet und bewertet wird. So viel vorweg: Über das Ergebnis war ich ziemlich entsetzt
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Ich habe meinen Sohn gefragt, wie der Krieg in Nahost an deutschen Schulen aufgearbeitet und bewertet wird. So viel vorweg: Über das Ergebnis war ich ziemlich entsetzt

In den Medien, aber auch der Politik tobt seit längerem ein hitziger Kampf darum, wie die Ereignisse in Nahost zu bewerten sind und in welchem Kontext sie stehen.

Nur: Wie sieht die Aufbereitung des Krieges eigentlich an den Schulen aus, also genau dort, wo die politische Erziehung für die nächste Generation gepflegt wird?

Copyright 2023 The Associated Press. All rights reserved.
Rockets are launched by Palestinian militants from the Gaza Strip towards Israel, in Gaza, Saturday, Oct
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Ich fragte also mal meinen Sohn, was er eigentlich grade in Politik mache. «Na, Israel und den Krieg natürlich», kam zurück. «Und wer ist schuld daran?», wollte ich wissen. Er: «Beide Seiten gleich.» Ich: «Ach so, dann ist Israel also nicht von Terroristen heimtückisch angegriffen worden, und dabei sind nicht weit über tausend wehrlose Menschen brutal ermordet worden?» Er: «Ja schon, aber die Palästinenser leben ja auch in diesem ‹Gefängnis› gleich nebenan. Und wollen deshalb ihr Land zurück.»

Sagenhaft, dachte ich, wie dieser Tage Massaker (v)erklärt werden. War das bei 9/11 auch so?

Ich war doch ziemlich entsetzt, und wir besprachen die aktuelle Lage in Ruhe. Einschliesslich des historischen Kontextes mit Holocaust und der Gründung des Staates Israel als dessen Folge. Und der wiederholten Versuche seiner arabischen Nachbarn, den winzigen neuen Staat und dessen Menschen in seiner Mitte zu vernichten. So, wie wir Deutsche das kurz zuvor mit anderen Mitteln anderswo versucht hatten.

Wir sprachen eine gute Stunde, und seine Neugier war gross. Nur bleibt die Frage: Wird heute tatsächlich so pseudo-neutral über den Nahostkonflikt und Israel in deutschen Schulen informiert? Nachdem unsere Generation mit der Nazizeit derart intensiv über drei, vier Schuljahre hinweg konfrontiert wurde, dass man am Ende glauben konnte, das Dritte Reich allein repräsentiere deutsche Geschichte und das Deutschsein, sprich: einen Grossteil unserer Identität.

Kein Wunder auch, dass viele deshalb diesen Selbsthass auf das eigene Land entwickelt haben, der sich nun in extremem Moralismus plus Weltrettungsfantasien manifestiert. Und darin, dass sich viele Zuwanderer nur ungern in ein Land integrieren, das sich selbst so wenig mag.

Beim Antisemitismus der Araber hingegen herrscht an den Schulen dieses verzerrte (Opfer-)Bild bis hin zum Verständnis für deren Judenhass. Ich frage mich: Ist das einfach Ignoranz? Oder die Feigheit der Lehrer vor Konflikten mit Schülern mit Migrationshintergrund und deren Eltern?

Oder ist es die Saat der 68er, die uns nun all das beschert und so manches mehr, was grade politisch passiert?

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