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Ich feiere Donald Trump! Der US-Präsident hätte bei Wladimir Putin kaum klüger agieren können. Er zeigt, wie sich der Teufelskreis der Diplomatie durchbrechen lässt. Das «Kein Deal»-Getöse aus Deutschland ist heuchlerisch

Seit zwei Tagen lese ich das, was sogenannte Experten zum Treffen von Donald Trump und Wladimir Putin so alles einfällt und was dann millionenfach nachgebetet wird. Zum Beispiel diese beiden Sätze eines bedeutenden Politologen im Interview mit dem Handelsblatt: «Es war ein neuer Tiefpunkt der US-Diplomatie. Trump hat sich komplett diskreditiert.»

Copyright 2025 The Associated Press. All rights reserved.
President Donald Trump greets Russia's President Vladimir Putin, Friday, Aug
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Trump und Putin in Alaska: Mir platzt der Kragen

Und jetzt platzt mir der Kragen. Denn was ich erlebt habe, war das Gegenteil. Der Alaska-Gipfel war für mich Diplomatie in Reinform. In der Nacht zu Samstag haben wir einen Wendepunkt im Bemühen um einen Frieden in der Ukraine erlebt, den wir in Europa seit dreieinhalb Jahren herbeisehnen, aber bislang nicht erreicht haben. Für mich steht fest: Etwas Besseres konnte gar nicht passieren.

US-Präsident Donald Trump, den niemand mögen muss, will vieles: Ruhm, Deals, den Friedensnobelpreis. Ich nehme ihm aber ab, dass er auch das tausendfache Sterben in der Ukraine beenden will.

Trump holt Putin zurück auf die Weltbühne – eine Chance

Dazu holt er Wladimir Putin auf die Weltbühne zurück. Er hat erkannt: Wenn er den Kriegsverbrecher und einstigen Spion aus der Isolation befreit und auf dem roten Teppich empfängt, gibt es eine Chance. Wenn er den Aggressor, der Putin unzweifelhaft ist, mit Respekt und nicht wie einen Aussätzigen behandelt, ist das Gespräch eröffnet.

Wir Europäer haben das nie gewollt. Vielleicht sind wir zu nah dran am Kriegsgeschehen, um so einen Schritt zu unternehmen. Vielleicht sind wir aber auch zu sehr in unseren Denkmustern gefangen.

Trump hat es getan und damit zumindest einen Anfang gemacht. Bisher weiss keiner ganz genau, was dabei herauskommen wird. Auf jeden Fall ist aber das «Kein Deal»-Getöse, das jetzt enttäuscht und anklagend von allen Seiten und vor allem aus Deutschland das Ergebnis des Gipfels vorwegnimmt, an Heuchelei fast nicht zu überbieten.

Da habt ihr, liebe Kollegen von rechts und links, hierzulande tagelang gefordert, es dürfe ohne den ukrainischen Präsidenten Selenskyj und ohne die Europäer in Alaska keinen Deal geben. Und nun gibt es auch keinen, aber das ist auch wieder falsch?

Da ist der amerikanische Präsident so überraschend feinfühlig, dass er nichts nach aussen dringen lässt, bevor er sich nicht mit Selenskyj, mit EU-Vertretern und mit seinen Freunden aus Grossbritannien abstimmt – aber das darf dann auch nicht sein?

Den Europäern entgleiten gerade zwei Narrative

Die Wahrheit hinter dieser widersprüchlichen Haltung ist die: Den Europäern entgleiten gerade zwei Narrative. Es sind zwei Legenden, die einen wahren Kern enthalten, aber um die herum sich jede Menge Hokuspokus rankt.

Das erste Narrativ ist das vom wahnsinnigen Putin, der die Ukraine völlig grundlos überfallen hat. Es stimmt, es war ein brutaler Überfall, und Aggressor Putin hat alle Regeln gebrochen. Gleichzeitig ist es wichtig, die Beweggründe Russlands zu analysieren, so krude sie auch sein mögen. Russland fühlte sich vom Westen bedroht. Hinter dieser Einsicht steckt nicht Verständnis für Putins Vorgehen, sondern das Bemühen, die Motivlage eines Gegners zu erkennen, um einen Krieg zu beenden.

Das zweite Narrativ ist das des Verrückten auf dem US-Präsidenten-Sessel. Was daran stimmt: Trump ist unberechenbar, volatil, brutal. Seine Zollpolitik macht die Welt nicht besser. Aber manchmal führt Unberechenbarkeit dazu, einen Teufelskreis aufzubrechen. Und genau das könnte jetzt geschehen sein.

Zwei Politiker sehen es ähnlich

Mindestens zwei Stimmen – nicht mehr von der vordersten Regierungsbank – sehen das übrigens ähnlich: Armin Laschet, der mir seit der misslungenen Kanzlerkandidatur als Mann der leisen Töne in der CDU auffällt, sagt, der Gipfel habe eine «neue Dynamik» im diplomatischen Prozess entfacht.

Und Ralf Stegner, der bei der SPD offiziell nichts mehr zu sagen hat, sagt trotzdem: Das Gespräch der beiden sei «die bis dato grösste Hoffnungsperspektive dafür, dass der Krieg in der Ukraine mit all den täglichen Opfern zeitnah endlich enden könnte».

Dieser Text erschien zuerst auf dem Portal Focus online.

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