Knapp ein Jahr nach der Niederlage gegen Donald Trump haben die US-Demokraten noch nicht wieder Tritt gefasst. Da die unterlegene Präsidentschaftskandidatin Kamala Harris weiter gegen schlechte Umfragewerte kämpft, springt nun Ex-Präsident Barack Obama ein, berichtet die NZZ.
«Man kann die Leute nicht ständig tadeln und belehren, ohne anzuerkennen, dass man selber blinde Flecken hat», sagte Obama unlängst in einem Podcast. Er warnt vor einem gewissen Fundamentalismus innerhalb seiner Partei, der Wähler abschrecke. Die Demokraten, so Obamas Botschaft, müssten wieder volksnäher werden – weniger moralisch erhoben, mehr kampfbereit.
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Gleichzeitig greift der 64-Jährige die republikanische Führung um Donald Trump scharf an. Deren Umgang mit der Armee sei «inhärent korrupt» – und eine Gefahr für die amerikanische Demokratie: «Wir wollen keine maskierten Leute mit Gewehren, die durch unsere Strassen patrouillieren», so Obama.
Doch es bleibt nicht bei Worten. In Kalifornien wirbt Obama derzeit für eine Wahlrechtsreform, die es den Demokraten ermöglichen könnte, bis zu fünf zusätzliche Sitze im Repräsentantenhaus zu gewinnen. Auch an der Ostküste mischt er sich aktiv ein: In den Gouverneurswahlen in Virginia und New Jersey unterstützt er zwei aussichtsreiche Demokratinnen, die mit militärischem und geheimdienstlichem Hintergrund punkten sollen.
Ein Schlüsselmoment für Obamas Rückkehr in die Tagespolitik war offenbar der schwache Auftritt Joe Bidens bei einem Fundraising-Event im Juni 2024, bei dem der Präsident orientierungslos wirkte – und von Obama von der Bühne geführt werden musste. Laut Buchautor Jonathan Karl fühlte sich Bidens Sohn Hunter so verraten, dass er Obama am liebsten öffentlich zur Rede gestellt hätte.
Neben dem demokratischen Ex-Präsidenten meldete sich auch die ehemalige Präsidentschaftskandidatin Kamala Harris zu Wort. In einem Interview mit dem britischen Sender BBC sprach sie über eine mögliche Kandidatur 2028. «Ich noch nicht fertig. Ich habe mein gesamtes Berufsleben im Dienst verbracht, das liegt mir im Blut», so Harris.