Wolodymyr Selenskyj hat auf der Sicherheitskonferenz in Münchenden Druck auf Moskau – und zugleich auf Washington – deutlich erhöht. Die Ukraine werde ein Friedensabkommen nur unterzeichnen, wenn die USA eine mindestens zwanzigjährige, rechtlich verbindliche Sicherheitsgarantie zusagen. Laut einem Bericht des Guardian fordert Kiew eine «wasserdichte» Vereinbarung über zwei Jahrzehnte, die exakt festschreibt, welche Unterstützung die Vereinigten Staaten im Falle eines Abkommens leisten würden. Bislang war demnach lediglich eine Garantie über 15 Jahre im Gespräch. Zugleich drängte Selenskyj auf ein konkretes Datum für den EU-Beitritt seines Landes.
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Gegenüber der Welt-Partnerpublikation Politico erläuterte Selenskyj, weshalb eine Zusage aus dem Weissen Haus allein nicht ausreiche: «Sicherheitsgarantien werden erst nach einer Abstimmung im Kongress funktionieren». Damit verlangt Kiew bindende Beschlüsse, die die politische Linie über eine Präsidentschaft hinaus festschreiben. Kritisch äusserte sich Selenskyj zur Haltung von US-Präsident Donald Trump: «Meiner Meinung nach senden sie mehr Signale aus, dass die Ukraine Kompromisse eingehen muss und nicht Russland». Das sei «nicht die richtige Haltung».
Mit einer persönlichen Spitze gegen Kremlchef Wladimir Putin unterstrich Selenskyj zudem seinen Anspruch auf Durchhaltevermögen. «Ich bin jünger als Putin. Das ist wichtig», sagte er. Die Reaktionen im Saal wies er zurück – seine Bemerkung sei ernst gemeint. Putin habe «nicht mehr viel Zeit».
Eine Abtretung der umkämpften Gebiete im Donbass schloss Selenskyj erneut aus. Er verwies auf die rund 200.000 Ukrainer in den von Kiew kontrollierten Teilen von Donezk und Luhansk und fragte: «Ich soll zu ihnen gehen, in jede Wohnung, klopfen und sagen: Schau mal, eine grossartige Idee! Vergiss dein Haus, vergiss alles …?»
Selenskyj erklärte zudem, Ziel sei es, die Zahl getöteter oder schwer verletzter russischer Soldaten auf monatlich 50.000 zu erhöhen. Unterdessen schauen viele europäische Regierungschefs skeptisch auf die Aussichten eines raschen diplomatischen Durchbruchs. Putin gilt nach verbreiteter Einschätzung weder wirtschaftlich noch militärisch als erschöpft. Ein europäischer Staatschef prognostizierte laut Guardian an der Münchner Sicherheitskonferenz mindestens zwei weitere Kriegsjahre – und betonte gleichzeitig, Europa habe die Ressourcen, um die Ukraine so lange zu unterstützen.