Hymne auf Boris Becker: Es ist heute schwer zu vermitteln, was am 7. Juli 1985 in Deutschland los war, als «Boom Boom Becker» Wimbledon gewann. Ein Versuch
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Hymne auf Boris Becker: Es ist heute schwer zu vermitteln, was am 7. Juli 1985 in Deutschland los war, als «Boom Boom Becker» Wimbledon gewann. Ein Versuch

Sein Leben war die Becker-Rolle. Ein im Hechtsprung geschlagener Volley. Was folgte, war ein harter Aufprall, ein selbstzerstörerischer Akt, wofür die Fans ihn liebten. Sein Aufstehen vom heiligen Rasen. Die «Becker-Faust». Und den nächsten Hechtsprung vorbereiten. Das war «Boom Boom Becker», der leidenschaftlichste Geist, der je einen Center Court dominiert hatte.

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Der deutsche Tennisspieler Boris Becker hechtet während des Turniers in Wimbledon im Juli 1985 hinter einem Ball her
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Es ist heute schwer zu vermitteln, was damals in Deutschland los war, nach jenem 7. Juli 1985 von Wimbledon. So etwas hat es nie mehr gegeben. Nicht bei Jan Ullrich und seinem Tour-de-France-Triumph, auch nicht bei beim WM-Erfolg der deutschen Fussball-Nationalelf 2014.

Es herrschte die totale kollektive Begeisterung – und emotionale Inbesitznahme eines jungen Menschen durch sechzig Millionen. «Bobele» wurde Adoptivkind einer ganzen Nation. Und er hasste diese Zuneigung, die ihm das Hirn verdrehte.

In England war alles einfacher. Gespielt wurde auf Rasen. Der Hechtsprung war nicht so schmerzhaft. Und noch heute verbeugen sie sich dort vor dem kaputten Deutschen, der nach Wimbledon humpelt. Dem anerkannten TV-Experten, Trainer des Weltranglistenersten Novak Djokovic. Das Comeback-Kid, das es sich nicht nehmen lässt, seinen Leidenschaften zu folgen und die Vernunft auszuschalten. Weil er eben kein Deutscher sein wollte.

Ein Drama-King dem wir so geflügelte Begriffe wie «Sex in der Besenkammer» verdanken. Seine Ex-Frau Barbara hat es mir mal anvertraut. Boris wollte ein Mann von Welt sein. Und das haben ihm viele Leute in der Heimat übelgenommen, die sich damals dem Rausch um einen ewig 17-Jährigen nicht entziehen konnten.

Und sie haben gelacht und gespuckt, als er mal wieder eine «Becker-Rolle» versuchte. Und liegen blieb. Steuerhinterziehung. Pokern. Investitionen in nigerianische Ölquellen. Knast. Rehabilitation verboten!

Aber ein Typ wie Becker steht immer auf. Viel zu smart, um nicht zu verstehen, was die Menschheit an ihm hat. Und auch naiv genug, sich immer wieder fürchterlich zu verfahren. Ein Mensch eben.

Jetzt geht es darum, eine Epoche zu feiern, als die deutsche «Tageschau» wegen eines semmelblonden Jungen aus Leimen verschoben wurde, weil der noch im fünften Satz von Roland Garros steckte. Ein Denkmal von Mensch.

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