Handelt es sich bei den EU-Sanktionen gegen den ehemaligen Schweizer Oberst im Generalstab Jacques Baud nicht um einen schweren Eingriff in die Meinungsfreiheit? Das wollte die linke Wochenzeitung (WOZ) von Ulrich M. Schmid, Professor für Osteuropastudien an der Universität St. Gallen, wissen. Schmids Antwort: «Es wurde ihm ja kein Maulkorb verpasst.»
Der Osteuropaexperte, der regelmässig für die NZZ als Gastautor schreibt und die Aufregung rund um den Fall Baud nicht versteht, wirft dem Schweizer Staatsbürger vor, «der russischen Destabilisierung in Europa in die Hände» zu spielen. Er bezichtigt Baud zudem, die wichtigsten wissenschaftlichen Arbeiten zur Ukraine und zu Russland zu ignorieren. Um welche Schriften es sich dabei handle, sagt der Akademiker jedoch nicht.
Schmid kritisiert nicht die EU, sondern Gegner der Sanktionsmassnahmen. Die Redefreiheit sieht der Osteuropaexperte offenbar nicht in Gefahr. Wer in diese Richtung denke, verstärke bloss das «Kreml-Narrativ», gemäss dem auf dem alten Kontinent keine Meinungsäusserungsfreiheit mehr möglich sei.
Die Aussagen des gutbezahlten Professors erstaunen, beklagt Schmid in seinen Büchern und NZZ-Artikeln doch regelmässig die «autoritäre Staatskultur» und «Zensur» in Russland. Bestraft die EU jetzt aber einen langjährigen Schweizer Staatsdiener mit Kontosperren und Einreiseverboten, ist das für den Herrn Professor nicht weiter problematisch.