Die Eidgenössische Finanzkontrolle (EFK) hat geprüft, wie die Bundesverwaltung mit den Nebenbeschäftigungen ihrer Mitarbeiter umgeht. Ja, Sie haben richtig gelesen. Die Staatsdiener beziehen zwar vom Bund üppige Saläre und geniessen generöse Arbeitsbedingungen, es gibt aber einige, die Zeit haben für lukrative Nebenjobs.
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Das ist nicht neu, sondern ein Dauerärgernis in der Bundesverwaltung. 2005 enthüllte Radio SRF, dass Hunderte von Bundesangestellten neben ihrem 100-Prozent-Job in der Verwaltung noch Zeit finden für einträgliche Nebenbeschäftigungen, die von den Departementen mehr oder weniger toleriert werden.
Der Skandal um das Informatikprojekt Insieme der Eidgenössischen Steuerverwaltung zeigte dann 2012 fast exemplarisch auf, wie heikel wirtschaftliche Verflechtungen von Bundesbeamten mit der Privatwirtschaft sein können. Ein Abteilungsleiter der Steuerverwaltung war damals verantwortlich für die Beschaffung von 420 Flachbildschirmen – und gleichzeitig Aktionär der Lieferfirma.
Eigentlich hätte man erwarten können, dass der Bundesrat und das Parlament aufgrund solcher Erfahrungen in der Vergangenheit nebenamtlichen Tätigkeiten von Vollzeitbeschäftigten der Eidgenossenschaft den Riegel schieben. Wie sich jetzt zeigt, sind diese Aktivitäten aber weiter hoch im Kurs.
Sie müssen – wie in der Privatwirtschaft auch – vom Arbeitgeber bewilligt werden. Nur nimmt man es beim Bund eben nicht so genau, wie die Untersuchung der EFK zeigt. Es gab Fälle von nicht gemeldeten Nebenjobs, und teils konnten sogar Interessenskonflikte zwischen Haupt- und Nebenerwerbstätigkeiten nicht ausgeschlossen werden.
Obendrein stellten die Bundeskontrolleure fest, dass auch ungenaue oder falsche Angaben dazu gemacht wurden – und zwar von Mitarbeitern in den höchsten Lohnklassen, die als Kader Vorbild sein müssten für die übrige Belegschaft. Stattdessen sind es genau sie, die flunkern, was den Arbeitsaufwand ihres Nebenjobs betrifft.
Man fragt sich grundsätzlich, warum in diesen Gehaltssphären mit Einkommen zwischen 230.000 und 400.000 Franken überhaupt noch Zusatzverdienste nötig sind. Woher nehmen all diese Beamten überhaupt die Zeit für Nebenbeschäftigungen?
Wahrscheinlich wenn sie im Home-Office weilen, denn 74 Prozent von ihnen gaben im vergangenen Jahr an, dass sie von diesem Angebot Gebrauch machen. Oder jeweils am Freitag, zumal an diesem Wochentag kaum noch jemand in der Verwaltung am Pult sitzt.
Fassen wir das also einmal zusammen: Die Funktionäre des Bundes kassieren überdurchschnittlich hohe Saläre, der Durchschnittslohn beträgt 130.000 Franken pro Jahr. Bei Kündigungen bekommen sie grosszügige Abgangsentschädigungen, das Home-Office ist Standard, und man hat erst noch viel Zeit für einen Nebenjob. Der Bund ist ein wahres Schlaraffenland für seine Staatsdiener und ein Selbstbedienungsladen ohne Kontrolleure. Es wäre an der Zeit, dass die oberste Personalchefin des Bundes, Bundesrätin Karin Keller-Sutter, durchgreift.